14.12.14

Vermag die Ergokratie den Wirtschaftswachstumszwang zu bezwingen?

 Die explosionsartige Geldmengenvermehrung nach Vorbild der FED ist das eigentliche ökonomische Grundübel der EU; der Ankauf von "Schrottpapieren" zur Belebung der Wirtschaft kann nur zu noch mehr Staatsschulden führen und somit die Handlungsunfähigkeit Österreichs verstärken. Die EU wurde zur Haftungs- und Schuldenunion. Nur wer frei handeln kann ist souverän. Die Politik soll Sache des Volkes werden mitsamt einer menschlichen Wirtschaftsordnung. Nein zur EU als Teil des internationalen Ausbeutersystems! Globale Finanzplayer spekulieren mit Milliarden; Fette Gewinne werden eingestreift und für die Verluste haften am Ende die Steuerzahler. "An der Spitze der globalen Finanzmärkte stehen wenig mehr als ein Dutzend internationaler Finanzkonzerne. Dazu gehören Universalbanken wie die Citygroup, die JP Morgan Chase und die Bank of Amerika, die schweizerische UBS, die britische HSBC oder auch die Deutsche Bank. Bis zur aktuellen Finanzkrise zählten zu den führenden Adressen, die an allen wichtigen Finanzplätzen dieser Welt präsent waren, auch die fünf großen Wall-Street-Broker Stearns, Merrill Lynch, Lehmann Broders, Morgan Stanley und Goldman Sachs", zeigt Sarah Wagenknecht auf. Privater Profit steht vor dem Wohle aller Menschen. 


Heinrich Färber, der Begründer der ergokratischen Wirtschaftslehre, mit Hilfe welcher er eine Beseitigung der Wirtschaftskrisen suchte ("Brechung der Bankherrschaft", "Automatische Steuer", Verbot von Inflation, staatliches Hoheitsrecht an der Gelderzeugung). Durch Gründung von Vereinen sowie rege Vortrags- und publizistische Tätigkeit verbreitete er seine Lehre, die auch von prominenten Fachleuten anerkannt wurden: 

"Die Geldforderungen der Hochfinanz betragen Vielfaches des Geldumlaufs der Welt! Welches Geld gehört nun den Millionen, den Milliarden von Schaffenden? Haben die Schaffenden nicht Leistungen und Waren für Geld verkauft? Wo aber ist der geldliche Lohn ihrer Leistungen, da das ganze Geld der Hochfinanz gehört? Gehören die Güter, die ihr Schaffenden schafft, nicht euch? Wenn aber das Geld, das ja als ein Bezugschein auf diese Güter funktioniert, der Hochfinanz gehört, so gehören die Güter nicht euch! Gehören Bezugscheine auf Güter nicht denen, die berechtigt sind, diese Güter zu beziehen? Gehören nicht das ganze Geld, gehören nicht die ganzen Bezugsscheine euch Schaffenden? Dürfen Nichtschaffende, das ist die Hochfinanz, Bezugsscheine auf eure Arbeitsprodukte haben? Es liegt als offenbar eine Enteignung des Geldes durch die Hochfinanz vor! Wie könnte ihr Schaffenden eine Sache, die euch gehört, jemanden schuldig sein? Die Forderungen der Hochfinanz bestehen also nicht zu Recht! D a s  i s t  d a s W e s e n   d e r W i r t s c h a f t s k r i s e ! Alle anderen üblen Erscheinungen auf wirtschftlichem Gebiete sind nur Reflexe dieses Grundübels!
Geblendet und geknechtet, zerfleischt ihr Schaffenden euch in Revolutionen, in Bürger- und Völkerkriegen. Was kommt davon heraus? Ihr bleibt Knechte der Hochfinanz! Gibt es für euch eine Rettung, ohne dass man der Hochfinanz das Handwerk legt?" (Heinrich Färber. Menetekel, S 21)
 


Dr. Karl Mocnik:

Der beschleunigte Wachstumszwang der Wirtschaft ist eine unnatürliche Wucherung. Ausgelöst
und zementiert wird er durch eine Ungleichverteilung des – fälschlich „Tauschmittel“ genannten
– Verteilungsmittels „Geld“. Dessen ungerechte Verteilung ist nicht Folge individueller
Gier oder von Geiz, sondern sie entsteht, weil alle Akteure (Unternehmer und unselbständig
Beschäftigte) „Profite“, „Gewinne“ und „Renditen“ „erwirtschaften“ wollen. Sie sparen
Geld. Dabei verlieren die 5 Mio kleinen Sparer Nettozinsgeld an die 0,06 Mio großen Sparer.
Klein- und Mittelbetriebe geraten in Schuldenkrisen, sind bis zu 80% fremd finanziert und
haben kaum Eigenmittel. Dann erhält der Staat weniger Steuergeld; die Kapitalisten und
Banken borgen es ihm auf Zinsen. So wird die Politik zu unnötiger Staatsverschuldung verleitet,
die Menschen werden zu längerer Arbeit gezwungen und es wachsen die Staatsdefizite.
Am Ende macht die gesamte Wirtschaft den Eindruck einer von einer feindlichen Offiziersstandarte
kommandierten Kampftruppe.
Um Herr im eigenen Haus zu werden, muß das anerzogene laissez-faire Prinzip verworfen
und durch eine moralisch starke Vision ersetzt werden! Die ergokratische Wirtschaftslehre
des österreichischen Volkswirts Heinr i c h Färber (1864-1941) bildet den Höhepunkt und
vorläufigen Abschluß der klassischen Wirtschaftstheorien. Sie ist das Zentrum der Reformideen
für eine Neuordnung des Staates: Ergok rat ie bedeutet Leistungsherrschaft. (Ergon
– das Werk, die Leistung; kratein – das Herrschen). Nicht das Geld soll autokratisch herrschen
(P lutok rat ie), sondern die Leistung soll demokratisch regieren (Ergok rat ie)!
Der Vortrag analysiert einige Mechanismen, die eine leistungsfähige Wirtschaft – die monetarisch-
kapitalistisch-sozialistische – durch die Herrschaft des Geldes (Plutokratie) regelmäßig
an den Rand des Abgrundes drängen und er stellt zugleich den ergokratischen Ausweg vor.
Stichworte: Zwangsgeld, Zwangsstaat, Monetarismus, Geldmonopol, Wirtschaftswachstum,
Inflation, Chrematistik, Währungs- und Preisstabilitätspolitik, Haushaltswirtschaft, Preis- und
Kostenwahrheit, Inflationsverbot, Leistungsgeld, Geldsteuer, Ergokratie.
Philosophische Vorbemerkung
Das Ziel dieses Vortrags war es weder, zu zeigen, wie die Wirtschaft wirklich funktioniert,
noch, wie sie funktionieren sollte. Ein solches Vorhaben wäre unbillig und könnte kaum geleistet
werden. Es wurde vielmehr gezeigt, wie Wirtschaft und Staat zu funktionieren
scheinen bzw. wie sie funktionieren könnten, um Verteilungsgerechtigkeit zu verwirklichen.
Einmal mehr ist an Mor i t z von Sc hl i c k s Verdikt (Wiener Kreis) zu erinnern, wonach
man zu unterscheiden habe zwischen der Beobachtung und dem Erkennen.
Das Beobachten sei demnach ein zweiteiliger Vorgang: Es gibt den Beobachter einerseits
und das beobachtete Objek t andererseits. Das Erkennen hingegen sei ein dreiteiliger
Vorgang: Es gibt den Beobachter einerseits, das Objekt andererseits; aber es
gibt noch etwas Drittes: dasjenige, als was das Beobachtete erkannt, interpret
ier t , wi rd. Wie in der Quantenmechanik, so spielt diese Unterscheidung zwischen
dem Beobachten und dem Erkennen auch bei der Beurteilung von Wirtscha f t s f o r –
men eine zentrale Rolle bei der Erkenntnisgewinnung! Der Mensch macht sich von jeder
Wirklichkeit, auch von einer gedachten oder ersehnten, eine plausible Fiktion, weil er alle
Aspekte derselben nicht zu antizipieren vermag. Die so erzeugte Abbildung eines ausgewählten
Exzerpts von Strukturen und Prozessen in der Wirklichkeit ist eine Abstraktion und
kann sie unmöglich in ihrer Totalität wiedergeben. Man sollte daher nicht diese oder jene
Wirtschaftsform als eine einzig selig machende verabsolutieren. Man kann aber Tangenten
zu skizzieren versuchen, welche als Leitlinien dienen können zur Orientierung, um das
menschliche Leben auf diesem Planeten gemütlicher und nicht unerträglicher zu gestalten.
Wie das Ptolemäische, geozentrische Weltbild für fast zwei Jahrtausende eine sehr
getreue Deutung der beobachteten Planetenbewegungen zu liefern schien, bedeutete die k o –
pernikanische Wende und die durch J ohannes Ke p l e r präzisierte Deutung der Planetenbahnen
als Ellipsen, die um die Sonne führen, einen großen qualitativen Sprung.
Desgleichen erinnert unser derzeitiges, unzureichend mit „Kapi tal i smus “ bezeichnetes
Wirtschaftssystem, an ein mit zahlreichen Fehlfunktionen behaftetes Geschehen. Kotauczek
bezeichnet den „Kapi tal i smus “ als eine theoretische Denkfigur. Es hat vieler
Erfahrungen mit dem Kapitalismus oder dem, was man darunter verstand, bedurft, um diese
plausible Schlußfolgerung ziehen zu können. Da Wesensmerkmale des „Kapitalismus“ auch
in den sozialistischen Wirtschaftssystemen zu beobachten waren und sind, scheinen sich die
Bezeichnungen „Monetarismus“ bzw. „Mammonismus“ noch besser zu eignen.
Monetarismus ist ein sich um das Geld und nur das Geld drehendes Wirtschaftssystem.
Noch treffender aber ist der Begriff „Chrematismus“ (private Geldvermehrungskunst). Es
kann nicht bezweifelt werden, daß die gegenwärtige Wirtschaft geldzent r ier t ist, früh
dargelegt bereits in J. W. v. Goethes „Faust“ (H.-Ch. Binswanger).
Eine andere Form von „Kapitalismus“ ist denkbar, ein „gezähmter Kapi tal i smus “
(Knoflacher, Woltron). Ein solcher „Edelkapitalismus“ wäre das Gegenstück zum Chrematismus.
Das ist die Wohlstandsvermehrungskunst für alle oder Lei s tungsher r s c h a f t ,
auch Ergok rat ie genannt, „Ergon“ (gr.) das Werk, die Leistung; kratein (gr.) – das Herrschen.
Das Geld wird entthront zugunsten der produktiven, schöpferischen Leistung. Das
Geld hat lediglich Verteilungsfunktion. Ihrem Autor, Hei nr i c h Färber (1864-1941) in
Wien, fällt das Verdienst zu, mit der E rgok rat ie ein sorgfältig durchdachtes Modell einer
ordnungspolitisch konsistenten Wirtschaftsform formuliert zu haben. Anhand dieses Denkmodells
wird der gegenwärtige monetarische Raubtierkapitalismus analysiert.
Der Vortrag stellt zuerst eine Reihe von Grundelementen vor, zum Verständnis der Triade
„Produktion, Distribution und Konsumption“, der Fehlallokation, staatliche Währungs- und
Steuerhoheit, einer Finanzreform und dem Automatismus des erzwungenen Wachstums.
Die Analyse der Staatsverschuldung und insbesondere des monetarischen Geldsparkreditsystems
anhand eines „Viertakt-Kreisprozesses“ der Entstehung eingefrorener,
untilgbarer Schulden nimmt die zentrale Rolle ein. Abschließend werden die Barrieren für
den Ausstieg aus dem monetarischen Kapitalismus aufgezählt. Den Schluß bildet eine
Adresse an die Republik Österreich für den Austritt aus dem Währungsverbund, nicht aber
aus der Politischen Union. (Damit ist der Austritt aus dem Währungsverbund der EU und die Schaffung
Wechselkursunion gemeint, so der Autor auf Anfrage. Also eine Union der souveränen Nationen mit eigener Währung. Anm. d. Redaktion)


In der Zeit zwischen 1917 und 1941 entstand in Wien die Ergokratische Wirtschaftslehre
von Heinrich Färber (1864-1941). Er gok r at i e heißt Leistungswirtschaft. Ergon
(gr.) – das Werk, die Leistung, kratein (gr.) – das Herrschen. Diese Lehre bejaht
das Recht der produktiven Leistung und verneint das Vorrecht des Geldes. Sie zeigt,
wie Gerechtigkeit erzwungen und Unrecht ausgeschlossen werden kann. Verwirklicht
wird die gerechte Verteilung der in redlicher Arbeitsteilung entstandenen Beiträge
zum materiellen Gesamtwohl durch einfache Reformen des Geldes und des Steuersystems.
Ergokratie könnte eine Alternative zum gegenwärtigen Kapitalismus sein.
Der gegenwärtige Kapitalismus ist richtiger Weise ein „monetarischer“ oder „mammonistischer“
Kapitalismus, ein Kapitalismus der Geldvermehrungskunst, des
„Chrematismus“. In ihm überwiegen Fehlfunktionen, die die Wirtschaft von innen her
zersetzen. Dem Monetarismus wohnt nämlich ein durch die Instrumente der Geldpolitik
künstlich erzeugter, innerer Wachstumszwang inne.
Der Vortrag bricht mit der alten Anschauung von der liberalen Verfasstheit des Geldes
und erklärt, was Geld ist und was nicht, was die Steuer ist und was nicht, was
das BIP ist und wie es im Monetarismus zur Täuschung des Publikums mißbraucht
wird. Preisstabilität darf kein Ziel der Wirtschaft sein. Stattdessen ist Preis- und Kostenwahrheit
eine zweckmäßige Orientierungsgröße.
Im Zentrum des Vortrags steht die Analyse der Entstehung der ungeheuren Verschuldung
der Wirtschaft, verursacht durch ein wucherisches Bank- und Geldsystem.
Vier Faktoren bewirken die Selbstzersetzung des Kapitalismus:
a) das finanztechnisch deregulierte Geldwesen;
b) das monetarische Geldsparkreditsystem;
c) die monetarische Institution von willkürlichen Staatsschulden;
d) das monetarische, ineffiziente und ungerechte Steuersystem.
Die ergokratische Lehre zeigt, wie man, anknüpfend an die bestehende Wirtschaftsordnung,
„durch eine richtige Behandlung des Geldes und der Einführung einer
Geldsteuer bei Abschaffung aller anderen Steuerarten zu einer idealen Wirtschaft
gelangen kann, so wie, daß jeder Staat unabhängig von anderen Staaten diese Reformen
durchführen kann“ (H. Färber, 1922). Seit der Mitte 1922 einsetzenden Hyperinflation
haben die Regierungen an der Inflationspolitik nichts mehr geändert! Infolgedessen
befinden wir uns heute weltweit in einer Situation, in welcher ein Umstieg
vom Monetarismus in eine Leistungswirtschaft nicht ohne Zwischenstufen möglich
ist.
Die Strategie zum Ausstieg aus dem Monetarismus folgt einem Algorithmus. Dieser
setzt die Kenntnis der Entstehungsweise der monetarischen Verschuldung voraus.
Der Abbau der riesenhaften, auf Geld lautenden Spargeldansprüche, steht im Vordergrund!
Der Vortrag zeigt, daß Geld und Spargeld, Spargeld und Zinsgeld, Spargeldforderungen
und Zinsgeldforderungen, Zinsen und kapitalisierte Zinsen völlig verschiedene
Kategorien des Geldes darstellen. Eingangs wird erklärt, daß es im Monetarismus
berechtigte und unberechtigte Geldformen knapp beieinander gibt, die durch die
neuerdings elektronische Gebarung kaum voneinander zu unterscheiden zu sein
scheinen, woraus unüberblickbare Täuschungen und Mißbräuche resultieren.
7
Geld und Geldreform
Die Ursachen des Wachstumszwangs der Wirtschaft im monetarischen Kapitalismus
sind: a) Allg. Intransparenz der Geldströme und fehlende Steuerbarkeit, b) Dichotomie
der Parameter für strukturelle und konjunkturelle Arbeits- und Einkommenslosigkeit aufgrund
von unklaren Vorstellungen und Prämissen vom Ursprung der Wertschöpfung.
Warum Geldreform, Finanzreform, Steuerreform?
Unabhängig voneinander vertraten H. Färber, A. Lansburgh, Chemie-Nobelpreisträger
F. Soddy1 und S. Gesell einhellig die Meinung, eine Geldreform sei Voraussetzung
jeder anderen Reform. Färber schrieb 1927 in der Broschüre „Das Geldmonopol“:
Die Funktion des Geldes. Ihr Schaffenden müßt arbeiten, um Geld zu haben. Ihr
gebt Arbeitsleistungen und Waren für Geld; für Geld, welches der Geldmonopolist
druckt. Bedenkt! Ihr arbeitet, schuftet, rackert und sorgt und alles, was Ihr so mühselig
geschaffen, gebt Ihr für Geld, welches der Geldmonopolist druckt. Ihm gebt Ihr’s
zuerst, wem denn sonst? Er verschenkt ja sein selbst gedrucktes Geld nicht, er gibt
es nur für etwas, das er bekommt; und von wem kann er es bekommen, wenn nicht
von Euch, die Ihr es geschaffen? Wie furchtbar ist diese Erkenntnis!…Sämtliche Reformen
sind nichtig! Gibt es da ein entrinnen? Gibt es auch nur einen, der sich retten
kann? Sieht man nun nicht die allumfassende und vernichtende Gewalt des Geldmonopols?
Wie töricht ist es nun, wenn man die Sachmonopole, den Wucher und
die Ausbeutung zu bekämpfen vorgibt, während man Geldmonopole ins Leben ruft!
Wie töricht, an soziale Errungenschaften zu glauben, während der Geldmonopolist
imstande ist, jede Errungenschaft, die in Geld besteht, zu eskamotieren!…
Wer zuckt bei dieser Offenbarung nicht zusammen?
Die alte Lehre begründete weltweit das Geldmonopol. Die Ursache der Wirtschaftskrisen
wurde selbst vom Sozialismus nicht erkannt. Die monetarische Verfasstheit des
Geldes in jeglichem Wirtschaftssystem bildet die Ursache von Wirtschaftskrisen.
Was ist das Geld?
Das Geld ist ein Recht!2 Als ein solches ist es Verteilungsmittel und, weil es zum
Ausgeben da ist, genuin bipolar: Einerseits ist es Bestätigung für geleistete Arbeit;
andererseits ist es Berechtigungszertifikat, welches einen Anspruch verbrieft zum Bezug
eines Leistungsäquivalents aus der Wirtschaft3. Als Anteilschein bildet Geld
schließlich und endlich das Leistungsverhältnis der Wertschöpfenden zueinander ab.
Geld ist kein Tauschobjekt! Man tauscht im Inland nicht Ware gegen Geld, weil Geld
kein Tauschgegenstand ist. Geld ist auch kein Mittel zur Erleichterung des Tauschs. Im Inland
kreditiert bzw. stundet man mittels des Geldes zunächst die Gegenleistung. Endgültig
bezahlt ist der Verkäufer, wenn er mittels des erhaltenen Geldes seinerseits Artikel seiner
Wahl erwirbt. Deshalb ist es irrig, das Geld ein „Tauschmittel“ zu nennen. Die vorläufige
Kreditierung der Gegenleistung mittels des Geldes heißt „bezahlen“, der des Erwerbs eines
Gutes „Kauf“. Jede andere Funktion des Geldes ist für die Wirtschaft schädlich. Nur im Außenhandel
ist Geld ein Tauschmittel, vorausgesetzt, daß Staaten ergokratisch wirtschafteten.
Im monetarischen Kapitalismus treten kaum Staaten zueinander in Handelsbeziehungen,
sondern primär private Firmen. Damit wird dem künstlich erzeugten Thema des Wechselkurses
Raum gegeben und mit ihm einer Konfusion über dessen Schwankungen.
Verantwortlich für Wirtschaftskrisen sind 1. falsche Definitionen, 2. falsche Funktionen
des Geldes und 3. falsche Theorien, die auf 1. und 2. fußen. Geld darf nur zu einer
1 Professor Frederick Soddy (F.R.S.): „Money Reform as a Preliminary to All Reform“, London 1950.
2 Auf diese kurzen Formeln gebracht wurde das Geld zeitgleich von zwei Ökonomen, Heinrich Färber in „Das
Geldproblem…“, Wien 1922 und Alfred Lansburgh (Argentarius) „Das Wesen des Geldes“ 1923 in Berlin.
3 Diese Erkenntnis geht auf Heinrich Färber in seiner Schaffensperiode zwischen 1917-1941 in Wien zurück.
8
geringen Quote des Geldvolumens der Volkswirtschaft gespart und kreditiert werden.
Wird Geld zeitlich mehrere Male hintereinander gespart und für andere Zwecke, als die
der Räumung des Marktes, kreditiert und jedes Mal ein Zins beansprucht und gezahlt,
dann verwandelt es sich nach Ablauf mehrerer Sparkreditzyklen in „eingefrorene Forderungen“,
die autonom grenzenlos wachsen und grundsät z l i ch unt i lgbar sind.
Die Folgen sind Wirtschaftskrise und ein krisenbedingtes Wirtschaftswachstum!
Geld ist keine Ware, sondern ein Mittel zum Erwerb einer Ware. Gewöhnlich wird
im Gelde, wie Silvio Gesell es tat, die reinste Form der Ware erblickt4,5,6.
Die in der Literatur ausnahmslos verbreitete Standardbehauptung, Geld sei dreierlei:
A) Recheneinheit und Wertmesser, B) Tauschmittel und C) Wertspeicherungsmittel, ist
fal s ch. Diese von zahllosen Lehrbüchern verbreitete Behauptung hat ferner auch das
rechtzeitige Erkennen des Wesens des Geldes verhindert, vereitelt und verzögert.7
Alle auf dieser veral teten Ans i cht beruhenden wirtschaftstheoretischen Analysen
und Folgerungen sind irreführend. Da, wo sie zu richtigen Schlüssen führen, tun sie es
zufällig, trotzdem sie falsch sind. Die monetarische Ansicht, bestehend aus A), B), C), ist
ein Provisorium, keine wissenschaftliche Wahrheit, nicht einmal eine Hypothese! Sie
steht dem vorwissenschaftlichen Denken der Cossisten nahe.
Die Coss war Synonym für eine magische Rechenkunst. Johannes Kepler (1571-1629)
amüsierte sich über sie. Seit der Entwicklung des logischen Denkens (Descartes, Leibniz,
Schelling, Kant, Feuerbach, Schopenhauer) sollte sie abgelöst sein. Nicht so in den
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften!
Geld kann nicht geschaffen oder vernichtet werden, ohne die Wirtschaft zu
schädigen. Geldschöpfung oder -vernichtung aliquot für alle ist eine sinnlose Handlung
ohne Effekt, welche den Teilnehmern die Kaufkraft beläßt. Es drucke zB die Notenbank
zusätzliches Geld, so daß jeder Geldbesitzer zu jedem Geldstück (GS), das er hat ein
weiteres hinzu bekommt. Wer 1000 GS hat, bekomme 1000 hinzu, wer 100 GS hat, bekomme
100 dazu, wer 1 Mio hat, bekomme 1 Mio hinzu, dann haben alle doppelt soviel
Geld, als sie vorher hatten. Dann kosten die Waren und Leistungen das Doppelte und
es werden doppelt so viele GS bezahlt und eingenommen. Die Kaufkraft ist unverändert.
Schöpft die Notenbank aber Geld für einzelne, so vernichtet sie Kaufkraft aller anderen.
Nimmt man jedem von dem Gelde, das er hat, die Hälfte weg und vernichtet es, so hat
man an der Kaufkraft aller wieder nichts verändert. Es werden dann für dieselben Waren
und Dienstleistungen halb so viele GS ausgegeben und eingenommen, als zuvor. Nur
dann, wenn man der Mehrheit und nicht allen, die Hälfte des Geldes, das sie hat, wegnimmt
und vernichtet, hat man die Kaufkraft der restlichen Einzelnen gesteigert. – Daraus
folgt, daß jeder Manipulation am existierenden Gelde der Boden zu entziehen ist.
Dies anzubahnen obliegt der behördlichen Hoheit des Staates.8
Geld ist Verteilungsmittel, kein Tauschmittel. Wertschöpfende tragen bei zur Entstehung
des Produkts in der arbeitsteiligen Wirtschaft und werden nach deren Beiträgen
dafür entgolten. Wer mehr und besser leistet, bekommt mehr Anteilscheine; wer weniger
bzw. schlechter leistet, erhält weniger Anteilscheine. Daraus entspringt für jeden einzelnen
das Recht zum Bezug eines Teils des Produkts im Verhältnis seines Arbeitsbeitrags
4 Heinrich Färber: „Die Irrlehre Silvio Gesells“, Wien, 1934; Graz, 2001.
5 Im Buch „Geld u Kredit“ definiert W. Fuhrmann das Geld als Gut, das, wie andere Güter auf dem Gütermarkte
auch, auf dem Geldmarkte gehandelt werde und seinen Wert (Kaufwert) je nach Angebot und Nachfrage ändere.
Diese Sicht ist im Monetarismus charakteristisch, in welchem den fiktiven Geldleistungen die Hauptrolle
(Plutokratie, Mammonismus) und den realen Produktionsleistungen eine Nebenrolle zugewiesen ist.
6 Siehe auch O. Issing „Einführung i d Geldtheorie“, 1998 und HJ Jarchow: „Theorie u Politik d Geldes“, 2003.
7 Heinrich Färber: „Wiedererrichtung der Geldmonopole nach dem Ersten Weltkriege Zweck des Völkerbundes“,
Wien 1927, Graz 1997.
8 Sinngemäß nach Heinrich Färber: „Das ergokratische Manifest“, Wien 1930, Graz 1997.
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zu jenem der anderen. Die Volkswirtschaft ist bezüglich der geschaffenen
Leistungen eine Aktiengesellschaft. Das Aktienkapital ist die Arbeitskraft.
Das Geld, der Anteilschein, ist die Aktie der Volkswirtschaft. Da
es an Arbeitskräften nicht mangelt, ist es irreführend, von einem Kapitalmangel
der Wirtschaft zu sprechen.9 Eine geradezu penetrant inflationär
betriebene Propagierung des Tauschmittelcharakters durch Gesells Lehre vereitelt noch
heute die Erkenntnis der Natur des Geldes als die eines Verteilungsmittels!
Die täuschenden Begriffe „Bankguthaben“ und „Bruttonationalprodukt BNP“
Die österreichischen Bankguthaben (Ersparnisse, Wertpapieranlagen, Aktien, Lebensversicherungen,
festverzinsliche Wertpapiere, Auslandsguthaben, etc.) betrugen
2004 4,07 Billionen ÖS = 4.070 Mrd. ÖS = 4,070.000 Mill. ÖS = 4,070.000,000.000
ÖS = 300 Mrd. Euro. Sie sind zugleich die Schulden der österreichischen Wirtschaft!
Zum Begriff „Bankguthaben“ folgendes: Das Jahresbruttonationalprodukt BNP Österreichs
erreichte 2004, in Geldwert gerechnet, ziemlich genau 3 Bill. ÖS = 220 Mrd.
Euro oder 3.000 Mrd. ÖS. 1994 betrug es vergleichsweise 2.200 Mrd. ÖS (160 Mrd.
Euro). Das durchschnittliche Monats-BNP 2004 ist daher 1/12 von 3 Bill. ÖS oder
250 Mrd. ÖS. Das ist identisch mit der real zirkulierenden Geldmenge, die man M1
nennt. Es ist gleichgültig, ob dieser Betrag in Papiergeld und Münzen existiert oder
als aufgeschriebene Girokontobeträge kursiert oder aus einer Mischung aus beidem,
sowohl aus Papier+Münzgeld, als auch aus Girokonto- bzw. „Buchgeldbeträgen“. In
jedem Falle existiert nur dieses Geld und es hat die Größe von 250 Mrd. ÖS. = 18 Mrd.
Euro. Mehr Geld gibt es nicht. Die Bankguthaben über 4,07 Bill. ÖS = 300 Mrd. Euro
sind kein Geld, sondern Ansprüche auf die Ausfolgung von Geld in dieser Höhe!
Die Bankguthaben sind zugleich die Schulden der Wirtschaft an die Geldsparer,
Wertpapiersparer, Lebensversicherer, Aktienbesitzer, etc!
Diese unangenehme Wahrheit enthüllt sich einem erst, wenn man bedenkt, daß auch
das jährliche BIP in Geld nicht existiert, sondern bloß eine kumulative Rechengröße
ist. Das jährliche BIP ist sinngemäß dasselbe, wie die in einer Heizperiode in einem
Zentralheizungssystem umgewälzte Wassermenge. Ist zB zum Befüllen von Zentralheizungskörpern
100 Liter Wasser erforderlich und wird diese Wassermenge in einer
Heizperiode 100 Male umgewälzt, dann hat die Umwälzpumpe insgesamt 10.000
Liter Wasser bewegt. Niemand wird behaupten, daß das Zentralheizungssystem mit
10.000 Liter Wasser befüllt worden sei.
Desgleichen darf man nicht glauben, daß in der Volkswirtschaft Spargeld im Ausmaß
von 4 Bill. ÖS vorhanden wären. Die wirklich vorhandene Geldmenge M1 beträgt ¼
Bill. ÖS = 250 Mrd. ÖS = 18 Mrd. € und ist identisch mit dem monatlichen BNP! Da
das ganze Geld (250 Mrd. ÖS) monatlich einmal und jährlich zwölf Male zirkuliert,
indem es monatlich zyklisch von den Lohn- und Gehaltszahlern zu den Lohn- und
Gehaltsempfängern geht und von letzteren wieder auf dem Markt als Kaufgeld an die
Lohn- und Gehaltszahler zurückströmt, glaubt man, jährlich 3 Bill. ÖS = 3.000 Mrd.
ÖS zu sehen, während es sich bei diesem Jahreswert der Wirtschaftsleistung lediglich
um eine Zählersumme handelt: es wurde im Jahr zwölf Mal so viel an Gütern und
Leistungen erzeugt und verkauft, als in einem Monat. Zu diesem Umsetzen oder
Umwälzen braucht man monatlich lediglich die Geldmenge M1, nämlich 250 Mrd. ÖS
= 18 Mrd. € und nicht 3 Bill. ÖS.
Wie jedoch die exorbitant hohe Sparguthabensumme der Sparer bzw. Schuldensumme
der Wirtschaft von 4,07 Bill. ÖS = 300 Mrd. € entstanden sein konnte, ist eine der
delikatesten Fragen überhaupt. Sie wird im Kapitel „Die Kinematik der Entstehung der
Spargeldansprüche (Kapitalvermögen)“ ausführlich behandelt.
9 Sinngemäß nach Heinrich Färber: „Das ergokratische Evangelium“, Wien 1940, Graz 2003, S. 24.
10
Arten der In-Umlaufsetzung des Geldes und Geldknappheit
Eine Wirtschaft braucht das Geld als Verteilungsmittel. Geld sollte einmalig in der
staatlichen Notenbank NB emittiert werden. Heute aber sind Notenbanken AGs.
Es gibt zumindest drei Arten der In-Umlaufsetzung des Geldes und zwar als:
a) zinspflichtiger Kredit, durch die Nationalbank und die Kommerzbank;
b) zinsloser Kredit (mit 1:1 Rückzahlungspflicht);
c) Förderungszuwendung an Projektantragsteller (ohne Rückzahlungspflicht)10.
Im monetarischen Kapitalismus gelangt das Zentralbankgeld wahlweise gemäß den
aufgezählten Punkten in den Umlauf. Die häufigste Gestion (Handhabungsart) ist die
der Vergabe als zinspflichtiger Kredit aus der privaten Nationalbank-AG über private
Geschäftsbanken GB (Kommerzbankkredit) an die Unternehmerschaft U.
Die U verschuldet sich, noch bevor überhaupt eine reale Leistung entstanden ist! Sie
verwendet das Geld monatlich für Lohn- und Gehaltzahlungen und für Investitionen,
somit wieder für Löhne und Gehälter. Das ganze Geld kehrt monatlich als Kaufgeld
von den Haushalten (Konsumenten K) zur Unternehmerschaft U zurück, es kreist
periodisch, zyklisch. Ohne künstliche Störungen zirkuliert das Geld ewig unverändert.
Es gibt keine Krise. Da aber im monetarischen Kapitalismus Wirtschafts- und Finanzkrisen
unleugbar vorhanden sind, ist es sicher, daß der Geldkreislauf hier durch irgendetwas
gestört wird. Um zu verstehen, wodurch Störungen und die permanente
Geldknappheit bewirkt sind, braucht man ein paar weitere Grundlagen.
Der monetarische Geldarten-Dschungel
„Die kompliziertesten Maschinen sind aus Wörtern gemacht“ (Katya Sander, MuMoK Wien, 2005)
Wir fügen die daraus folgende Konsequenz hinzu: Worte fordern Verbindlichkeit!
Geld is t , wie gesagt, ein Bezugs recht . Es gibt zweierlei Geldrechtarten:
1. Berechtigtes Geld
2. Unberechtigtes Geld
Berechtigtes Geld ist das von der Notenbank am Anfang einer Währungsreform
über Kommerzbanken zinspflichtig in die Zirkulation gebrachte Geldvolumen M1.
Unberechtigtes Geld ist jedes Falschgeld, auch das staatlich legalisierte. Das ist Geld,
welches zum bereits zirkulierenden Wirtschaftsgeld (Geldumlauf M1), zu einem späteren
Zeitpunkt hinzukommt, indem durch eine zusätzliche Gelderzeugung (Geldschöpfung)
weiteres Geld über Kommerzbanken an Kredit nehmende Subjekte und durch sie in den
Umlauf eingeschleust wird und dort parasitär und unberechtigt teilnimmt an der schon
mittels des berechtigten Geldes (M1) erfolgenden Verteilung der Güter und Leistungen.
Zwei Erscheinungsformen des berechtigten Geldes
a) Bargeld;
b) Elektronisches E-Geldsubstitut, elektronisches Buchgeld, Giralgeld und Wertpapiere.
Berechtigtes Geld ist Geld, welches eine konstante Größe besitzt, dh sich auch nach
vielen Zirkulationsperioden – ein Monat ist eine Zirkulationsperiode – nicht ändert.
Zwei Erscheinungsform des unberechtigten Geldes
a) Parasitäres Inflationsbargeld (staatl. legalisiertes Falschgeld und „Blüten“);
b) Parasitäres Inflationsbuchgeld, geschöpftes, elektronisches Giralgeld.
10 Geförderte Institutionen dürfen Fördergelder der OeNB nur ausgeben, aber nicht Gewinne erwirtschaften, zB
Forschungsstätten oder Firmenabteilungen, die Jugendliche ausbilden. Finanztechnisch gesehen haben solche
Einrichtungen während der Laufzeit der Fördergelder staatlichen Charakter, dh sie sind Steuergeldverwender.
Dem Staat ist die schuldfreie Geldemission per OeNB-Statut untersagt [§ 41 „Verbot von Kreditfazilitäten für öffentliche
Einrichtungen (Bund, Länder, Gemeinden)“]. Er darf Steuergeld, das er von den Steuerzahlern erhielt,
ausgeben, nicht aber Notenbankgeld für Steuern beschaffen!
11
Unberechtigtes Geld wird in regelmäßigen oder auch unregelmäßigen Zeitabständen
vermehrt (fast nie vermindert), so daß in jeder Zirkulationsperiode weiteres Geld hinzukommt.
In Österreich lief 1950 eine Geldmenge von ca. 10 Mrd. ÖS monatlich um;
in der BRD liefen 1948 (Währungsreform) 6,3 Mrd. DM um. Bis 2004 war der Geldumlauf
in Österreich auf ca. ÖS 250 Mrd., in Deutschland auf ca. 300 Mrd. DM angewachsen.
Die Wachstumsrate des zirkulierenden Banknotengeldes während der
fünf Jahrzehnte zwischen 1948 und 2000 betrug in beiden Staaten ca. 6,5% – 7%11.
Zusammensetzung der nicht baren Geldformen:
a) berechtigtes, elektronisches Geld (Buchgeld oder Bargeldsubstitut);
b) unberechtigtes, elektronisches Geld (geschöpftes Buchgeld);
c) unberechtigte Ansprüche auf berechtigtes und auf unberechtigtes, elektronisches Geld.
Diese Unterscheidung zwischen den Geldformen wurde nie getroffen. Ihr Fehlen ist
die Ursache, weshalb das Finanzwesen ein Turm zu Babel geworden ist. Eine andere
Ursache der Verwirrung ist die obsolete Gegensatzbildung „Kapitalismus – Sozialismus“
in totaler Unkenntnis der wichtigsten zwei Wirtschaftsformen:
Zwei Wirtschaftsformen:
a) monetarischer Kapitalismus (privater Kapitalismus und staatsmonopolistischer Kapitalismus,
auch „Kommunismus“ oder „Sozialismus“ genannt);
b) ergokratischer Edelkapitalismus (systematisch vereitelt durch Bürokratie und Monetarismus).
Drei Inflationsarten
a) Notenbankinflation und Kommerzbankinflation (Gelddrucken und Giralgeldschöpfung),
b) Spargeldinflation (bankmäßige Geldschöpfung zur Befriedigung von Spargeldabhebungen),
c) Steuerinflation (Zentralbankmäßige Geldschöpfung für Steuerzwecke; ungesetzlich).
Fünf Steuersysteme
1. Naturalsteuer (veraltet)
2. Monetarisches Steuersystem (derzeit üblich, ultrabürokratisch: achtzig Steuerarten);
3. Inflationssteuersystem (1918-1921), (Staatliche Inflation); nur eine einzige Steuerart;
4. Automatisches Steuersystem (reine Geldsteuer), nur eine einzige Steuerart;
5. Lineare Steuer („Flat Tax“).
Der gegenwärtige Kapitalismus ist ein „monetarischer Kapitalismus“, gekennzeichnet
durch die Herrschaft der unberechtigten Geldformen über die berechtigten
und in dieser Herrschaft getarnt durch identische, ununterscheidbare, elektronische
Erscheinungsweisen aufgrund der bequemeren Zahlungsgewohnheiten.
Die Alternative dazu ist der „ergokratische Kapitalismus“, gekennzeichnet durch
die alleinige Herrschaft der produktiven Leistung und des verfassungsgesetzlichen
Verbots aller nicht berechtigten Geldformen (Inflationsverbot, Zinsverbot, Verbot des
monetarischen Steuersystems).
Wodurch ist das Geld gedeckt?
Geld ist gedeckt durch Leistungen und Güter der Volkswirtschaft, auf welche es sich
bezieht. Geld bezieht sich nicht auf Gold oder Edelsteine. Gold oder Devisen sind
keine Deckung des Geldes12. Sich Münzen, die als Zahlungsmittel verwendet werden
sollen, für Gold ausprägen zu lassen, ist eine Brechung des Geldwertes, ein
Mißbrauch, ein Vertragsbruch, weil Gold keine erbrachte Leistung bescheinigt, sondern
in der Natur gefunden wird. Ein auf Hergabe eines Goldstücks geprägtes Geldstück
verbrieft keinerlei Anspruch auf Leistungen der Volkswirtschaft. Frederick Soddy:
„Gold-Standard Drags all Nations down to Level of Lowest.“ (“The Role of Money”, London,
11 Bei Gleichverteilung, beschäftigte man alle Arbeitslosen, wäre das Prokopfeinkommen in Österreich [in Deutschland]
bei 3,5 Mio [40 Mio] Unselbständigen 250 Mrd./3,5 Mio = ÖS 71 400.- [330Mrd./40 Mio = DM 8 250.-].
12 Die Wiedererrichtung der Geldmonopole nach dem I.WK Zweck des Völkerbundes, Wien 1927, Graz 1997.
12
1934). Sich mit dem Argument der Stabilisierung der Währung inländisches Geld zu
drucken auf der Basis aufgekaufter Devisen, ist ein Raub durch Inflation13.
Deckungsschwindel: die Deckung büßt Wert ein, das Gedeckte nimmt an Wert zu!
Das, was die Seipel-Regierung und die sozialistische Opposition bereits 1926 verharmloste,
scheint man auch im Europa von 2004, nach achtzig Jahren, erneut zu verharmlosen,
obwohl sich dasselbe Drama zu wiederholen scheint.
Heinrich Färbers im prosaischen Ton vorgetragene Analyse ist wegen ihrer brennenden
Aktualität geradezu eine alle Umbruchszeiten überdauernde Muß-Lektüre geblieben14:
„Was jeden Österreicher ohne Unterschied des Berufes interessieren sollte, ist erstens
die Frage: wi e k ommt e s , daß der Dollar, der durch Gold voll gedeckte, der
Dollar, der dazu ausersehen wurde, die europäischen Währungen zu decken, ihnen
einen Wert und eine Kaufkraft zu verleihen – wie kommt es, daß dieser Dollar sowohl
die Kaufkraft als auch den Wert einbüßt, daß die Warenpreise in Amerika
steigen und der ausländische Wert, der Kurs, des Dollars sinkt?
Wi e k ommt e s , daß der an sich Wert und Kaufkraft habende Dollar, an Wert
und Kaufkraft verliert, während der an sich keinen Wert und keine Kaufkraft habende
Schilling, der deckungsbedürftige, an Wert zunimmt, im Kurse steigt?15
Wi e k ommt e s , daß eine Währung, die deckungsbedürftig ist, wie zum Beispiel
der Schilling, – wi e k ommt e s , daß eine solche Währung, nachdem sie einen Teil
der Deckung verloren hatte, nachdem der Wert und die Kaufkraft des deckenden Dollars
zurückgegangen war – w i e k ommt e s , daß diese Währung, dieser Schilling,
von seinem Werte nicht nur nichts eingebüßt, sondern sogar an Wert zugenommen
hat?
Wi e k ommt e s , daß jemand, der Krücken haben muß, um aufrecht stehen zu
können, nachdem die Krücken zerbrochen worden sind, nicht nur weiterhin aufrecht
steht, sondern sogar zu laufen beginnt?
Un d wi e k ommt e s , daß der Schilling nun, da er an äußerem Wert (Kurs) zunimmt,
an innerem Wert (Kaufkraft) abnimmt, das heißt, daß die Warenpreise steigen,
und man für dasselbe Geld weniger Ware bekommt?
Wi e k ommt e s , daß ein Krüppel, dem beide Beine fehlen, welcher sich mit Prothesen
bewegt, nun, da die Prothesen unbrauchbar geworden sind, sich mit einem
Stumpf vorwärts und mit dem anderen rückwärts bewegt?
Sieht man nun nicht ganz klar, daß Wert und Kaufkraft einer Währung nicht von einer
so genannten Deckung abhängt, daß die Währung trotz Deckung sowohl Wert als auch
Kaufkraft verlieren kann? Wovon also hängt Wert und Kaufkraft einer Währung denn
ab?“
Heinrich Färber widmete diesem Fragenbündel einen ganzen Antwortkomplex, welcher
weit über das hinausgeht, was moderne Lehrbücher auf diese „alten“ und bisher nie klar
beantworteten Fragen zu sagen wissen.
Die wahre Deckung: a) Die Kaufkraft.
„Die Kaufkraft einer Währung überhaupt hängt von dem Vorhandensein von
Waren ab. Kann man in einer Wirtschaft, wie sie jetzt ist, mit ihren tausenderlei Artikeln
und bei der tausendfältigen Arbeitsteilung die Waren ohne Geld absetzen?
Wenn man aber Geld haben muß, um die Waren abzusetzen, wenn man Ware für
Geld verkaufen muß, so muß man für Geld Ware kaufen können, muß man für
Geld Ware bekommen; das heißt, das Geld hat Kaufkraft. Es hat Kaufkraft, weil
Ware vorhanden ist; nur wenn keine Ware vorhanden ist, ist es möglich, daß das
Geld keine Kaufkraft hätte; es ist aber nicht möglich, daß es, trotzdem Ware vor-
13 Heinrich Färber: „Monetaros I-IV“, Wien 1926.
14 „Ungeheure Inflation in Amerika! E+ geht Österreic an“ H. Färber, in „Der Scaffende“, Nr. 9; Wien, 1. Jän. 1927.
15 Der Eurokurs 2004 steigt, doch das Publikum klagt über den „Teuro“, über den Kaufkraftschwund!
13
handen ist, keine Kaufkraft hätte aus dem Grunde, weil keine Deckung in einer Notenbank
begraben ist.
Die Ware einer Volkswirtschaft ist die Deckung ihres Geldes; eine in einer
Notenbank begrabene Deckung braucht man dazu nicht: diese Deckung hat
auch keinen Zweck; denn ist keine Ware da, so hat das Geld trotz des begrabenen
Schatzes keine Kaufkraft; es hat keine Kaufkraft, es kann keine Ware kaufen,
weil keine da ist; es [das Geld] ist dann also trotz des begrabenen Schatzes nicht
gedeckt.
Wenn aber die Kaufkraft des Geldes überhaupt nur vom Vorhandensein von
Ware abhängt, so ist es klar, daß die Größe der Kaufkraft des Geldes nur von der
Größe der vorhandenen Warenmenge abhängt. Man kauft fürs gesamte Geld einer
Volkswirtschaft mehr Ware, wenn mehr Ware da ist, und weniger, wenn weniger
Ware vorhanden ist. Die Kaufkraft des gesamten Geldes einer Volkswirtschaft
steigt und sinkt mit der Zunahme und der Abnahme der Warenmenge.
Für einen Bruchteil des gesamten Geldes kauft man selbstverständlich bloß denselben
Bruchteil der Warenmenge, die man fürs gesamte Geld kauft: für die Hälfte des
gesamten Geldes die Hälfte der Warenmenge, für ein Viertel des gesamten Geldes
bloß ein Viertel der Warenmenge usw. Die Kaufkraft der Geldeinheit,
zum Beispiel eines Schillings, hängt also davon ab, welchen
Bruchteil des gesamten Geldes die Einheit dars t e l l t . Wenn die Einheit
zum Beispiel die Hälfte des gesamten Geldes bildet, ist ihre Kaufkraft zweimal so
groß, wie wenn sie bloß ein Viertel des gesamten Geldes wäre usw. Wenn man den
Geldumlauf vermehrt, wird der Bruchteil der Geldeinheit verkleinert. Wenn das
gesamte Geld zum Beispiel aus zwei Schillingen besteht, so ist ein Schilling die
Hälfte des gesamten Geldes; wenn das gesamte Geld aber aus vier Schillingen
besteht, so ist ein Schilling bloß ein Viertel des gesamten Geldes. Im ersten Falle
kauft man für einen Schilling die Hälfte, im zweiten Falle bloß ein Viertel der Warenmenge.
Vermehrt man den Geldumlauf auf das Zweifache, so sinkt die Kaufkraft
des Schillings um die Hälfte. Es ist nun klar, daß dies der Fall ist, einerlei, ob
in der Notenbank ein Schatz, eine Deckung, begraben ist oder nicht.
Die Größe der Kaufkraft einer Geldeinheit hängt also erstens von der Größe
der Warenmenge und zweitens von der Geldmenge, dem Geldumlauf, ab. Eine
begrabene Deckung hat darauf keinen Einfluß.“
„Die wahre Deckung: b) Der Kurs“
Wie die innere Kauf k raf t einer Währung von der Warenmenge, das ist die
Menge der Sache, die fürs Geld zu verkaufen ist, abhängt, hängt auch die äußere
Kauf k raf t , der Kurs, einer Währung von der Sache, die auf dem internationalen
Markte für diese Währung zu verkaufen ist, ab, das ist von dem ausländischen
Gelde, das für diese Währung angeboten wird. Der Kurs des Dollars, für die man
Schillinge kaufen möchte, hängt von der Menge der Schillinge, für die man Dollars
zu kaufen sucht, ab. Was diese beiderseitigen Mengen bestimmt, ist in diesem
Absatze nicht zu erklären, es ist ein Kapitel für sich; aber das eine ist klar,
daß durch eine Vermehrung des Dollarumlaufs, durch eine amerikanische Inflation,
nicht nur die Dollars, für welche Mark zu kaufen gesucht wird, sondern auch
die, für welche man Schillinge kaufen möchte, vermehrt werden. Oben haben wir
denn auch gelesen, daß sowohl in Wien als auch in Berlin Dollars in großer Menge
angeboten wurden; nun wissen wir, warum dies geschah, nämlich, weil Amerika
Inflation gemacht, den Dollarumlauf vermehrt hat. Aus diesem Grunde ist der Dollarkurs,
wie oben zu lesen ist, auch gefallen.“
Amerika und England überschwemmen Deutschland und Österreich mit inflationierten
entwerteten Dollars und Pfunden!
Ein anderes Zeichen für diese Inflation ist folgende Erscheinung: Am 20. 12. 1926
haben wir gelesen, daß sowohl in Wien als auch in Berlin Golddevisen i n g r oßer
14
Menge abgestoßen werden, und daß die Devisenlieferungen bei der OeNB z i emlich
bedeutend sind. Der Dollarkurs sank in Wien auf 708,50.
Am 21. 12. 1926 haben wir gelesen: „Neue Tiefkurse für den Dollar in
Wi e n . Infolge des großen Devisenangebotes, insbesondere in Pfunden und Dollars,
ging der Dollarkurs in Wien gestern wieder auf einen Ti e f s t an d von 707,80 zurück.
Die Devisenkäufe an die Notenbank nehmen in stärkerem Maße zu.
Keine Zeitung bespricht die tief erschütternde Bedeutung dieser Erscheinungen!
Diese Erscheinungen sind, wie gesagt, durch die Dollarinflation zu erklären. Amerika
hat zu viele Dollars und bietet sie dem Auslande zum Kaufe an, deshalb sinkt der Dollarkurs.
Das, meint man, sei eine Sache, die nur die Valutenhändler interessiert; leider
ist es nicht wahr.
Das Naturwidrige einer Stabilisierung
Was geht uns diese Sache an, wird man fragen, warum sollten wir uns dafür interessieren,
da wir keine Valutenhändler sind. Gewiß, antworten wir; wenn nichts weiter
daran wäre, als daß Amerika eine Inflation gemacht hat, ferner, daß die Warenpreise
in Amerika gestiegen sind, und schließlich, daß die Amerikaner uns ihre so entwerteten
Dollars maturgemäß billiger verkaufen, würden auch wir, die wir keine Valutenhändler
sind, uns dafür nicht interessieren. Wir würden dann auch nichts daran auszusetzen
haben, da dies ja die naturgemäße Folge der amerikanischen Inflation
ist.
Die Sache steht aber ganz anders. Es ist ja gar nicht wahr, daß Ihr (die Allgemeinheit)
dafür kein Interesse hättet. Ihr alle, einerlei, welcher Partei Ihr angehört, wolltet
eine stabilisierte Währung haben. Einerlei, ob schwarz oder rot, der ganze Nationalrat
hatte nichts Wichtigeres zu tun, als die Währung zu stabilisieren. Der Vertreter der
Proletarier Dr. Bauer gratulierte dem Dr. Seipel im Parlament zur gelungenen
Stabilisierung. In einer seiner Broschüren rühmte sich Dr. Bauer dessen, daß
die Stabilisierungspolitik der österreichischen Nationalbank seine Politik sei.
Und, seien wir ehrlich, wer außerhalb der ergokratischen Partei ist denn nicht überzeugt,
daß die Stabilisierung der Währung eine hervorragende und glückbringende
Leistung sei? Wie eine Währung stabilisiert wird, dürften allerdings nur Ergokraten
wissen. Nun denn, die Stabilisierung der Währung hängt mit der Geschichte, die wir
hier behandeln, zusammen; und wenn Ihr Euch für die Stabilisierung so warm interessiert,
müßt Ihr auch für diese Abhandlung Interesse haben; denn nun könnt Ihr sehen,
wie man eine Währung stabilisiert.
Man stabilisiert eine Währung, indem man Maßnahmen trifft, um zu verhindern,
daß nicht das geschehe, was naturgemäß geschehen sollte. Naturgemäß
müßte Amerika uns die Dollars, die es durch Inflation entwertet hat, billiger verkaufen,
und Amerika würde es auch bestimmt einsehen, einsehen müssen und billiger verkaufen
müssen, wie durch die Tatsache beweisen ist, daß es uns die Dollars billiger verkauft
hat; aber unsere Währung wäre dann nicht stabilisiert; wir bekämen für dieselbe
Anzahl von Schillingen mehr Dollars oder wir zahlten für einen Dollar weniger Schillinge,
das heißt, unser Schilling würde steigen und der Dollar würde sinken. Daß dieses
Unglück nicht geschehe, dafür sorgte der österreichische Nationalrat16, indem er eine
Ak t iengesel l schaf t zum Gelddruc ken ins Leben rief, die in Befolgung der
Politik des Dr. Bauer einem solchen Geschehen halt gebietet. Wie macht sie es?
Wie wird stabilisiert?
Oben haben wir gelesen, wie eine Notenbank imstande ist zu stabilisieren. Am 20.
lasen wir: „Bei der österreichischen Nationalbank sind die Dollareinlieferungen zieml
ich bedeutend.“ Am 21. lasen wir: „Die Devisenverkäufe an die Nationalbank
nehmen in s tärkeren Maße zu.“
16 Siehe das Kapitel „Monetarismus und Zinsendienste“ und „Genfer Sanierung“ ff.
15
Bei der ökonomischen Orientierung unseres Volkes ist es nicht zu verwundern,
daß die meisten solche Berichte gar nicht lesen, andere sie nicht beachten, und wieder
andere, die sie lesen und beachten, sich nur darüber freuen, daß unsere Nationalbank
(unsere?) mehr Devisen haben wird. Wer weiß und bedenkt es aber, daß die
Notenbank zu diesem Zwecke neue Schillinge druckt, Inflation macht?
Das Drucken neuer Schillinge, das Entwerten des Schillings an sich ist nur eine
Dummheit, aber noch nicht das Böse. (Von den Nebenwirkungen einer Inflation wollen
wir hier absehen). Die Amerikaner möchten uns übers Ohr hauen und uns entwertete
Dollars, die sie im Überfluß haben, anhängen; nun druckt die österreichische Notenbank
neue Schillinge und entwertet den Schilling ebenfalls, um den Amerikanern für
entwertete Dollars ebenso entwertete Schillinge zu geben. So gesehen wäre es eine
harmlose Dummhei t ; denn entwertet man den Schilling nicht, so zahlt man für
den entwerteten Dollar weniger Schillinge, wie die früher gelesenen Tatsachen bewiesen
haben; wenn man den Schilling aber entwertet, muß man für den Dollar mehr
Schillinge zahlen. Es käme also auf eins heraus, und die Entwertung, die Stabilisierung,
des Schillings wäre eine harmlose Dummheit.
Zweck der Stabilisierung
Das wäre der Fall, wenn die Notenbank die neuen Schillinge unter die Schillingbesitzer
verteilte; sie würden dann zwar mehr Schillinge für den Dollar zahlen, dagegen
hätten sie aber neue Schillinge umsonst erhalten; sie würden daher keinen Schaden
haben. So dumm ist doch aber eine Notenbank nicht, daß sie Banknoten zum Verteilen
druckte. Sie druckt die neuen Schillinge für sich und kauft dafür
Dol lars . Die Schillinge kosten sie nichts, wie in diesen Blättern bereits erklärt wurde;
sie bekommt die Dollars also umsonst . Nicht recht gescheit sind nur die
Österreicher, denen eine solche Stabilisierung Vergnügen macht; denn davon kommt
folgendes heraus:
Die neuen Schillinge kosten die Nationalbank, wie gesagt, nichts.17 Sind aber die
Amerikaner so dumm, um für ihre Dollars etwas zu nehmen, was nichts kostet? Was
nichts kostet, kann etwas Geschenktes, etwas Gestohlenes, aber auch etwas, was
wertlos ist, sein. Da die Notenbank die neuen Schillinge nicht geschenkt erhielt, und
wir vorderhand nicht sagen möchten, daß sie sie gestohlen habe, so müßten wir annehmen,
daß die neuen Schillinge etwas Wertloses sind; sind die Amerikaner so
dumm, um für ihre Dollars etwas Wertloses zu nehmen? Welches Geheimnis steckt
da dahinter? Folgendes:
Stabilisieren ist Stehlen.
Es ist richtig, daß die neuen Schillinge die Notenbank nichts kosteten; aber die
Amerikaner kaufen für diese Schillinge, die sie von der Nationalbank erhielten, in der
österreichischen Volkswirtschaft ein. Sie kaufen die Waren weg, die sonst die Österreicher
für ihre alten Schillinge bekommen hätten. Die Besitzer der alten Schillinge
haben also den Schaden; sie tragen die Kosten der neuen Schillinge, ihnen
wurde die Ware ges tohlen. Nun sehen wir, daß die neuen Schillinge, die die
neue Notenbank druckte, nicht etwas Wertloses, auch nicht etwas Geschenktes, sondern
etwas Ges tohlenes sind; gestohlen den Besitzern der alten Schillinge; denn
es ist alleseins, ob man den Besitzern des alten Geldes Schillinge stiehlt oder das,
was sie für ihre Schillinge bekommen sollten. Für gestohlene Schillinge also kauft
die österreichische Notenbank Dollardevisen, und das heißt Stabilisierung der
Währung!
17 Siehe H. Färber: MENETEKEL I., Wien 1935, Graz 1998, S. 23: „Der Papierfabrikant liefert der Notenbank
einen Waggon Papier und bekommt dafür ein Stückchen seines Papiers, allerdings bedruckt, und damit ist er
bezahlt! Bedruckt wird dieses Stückchen Papier von einem Arbeiter der Notenbank, und der Arbeitslohn wird mit
einem Stückchen Papier des Papierfabrikanten bezahlt! Welche Gestehungskosten hat die Notenbank? Was ist
ihre Leistung? Und wer ist ihr einen „bürgerlichen Nutzen“ schuldig?…“
16
Stabilisieren ist betrügen und rauben.
Aber nicht nur die Schillingbesitzer, das sind die Konsumenten, haben den Schaden,
auch die Warenverkäufer, die Produzenten, werden dadurch geschädigt.
Sie wissen ja nicht, daß die Notenbank durch Vermehrung des Geldumlaufs
den Schilling entwertet hat; sie geben dem Amerikaner daher für den neuen
Schilling ebensoviel Ware wie vorher; sie werden also betrogen und beraubt.
Was ist nun das Ergebnis? Die Konsumenten werden bestohlen, die Produzenten
und die Kaufleute werden beraubt, den Gewinn, die Beute haben die Notenbanken,
die Inflation gemacht haben, die amerikanische sowohl als auch die österreichische.
Das ist Stabilisierung der Währung, mit der der österreichische Fi –
nanzminister Dr . Kienböck so „glücklich“ ist. Das ist die „überragende Bedeutung“
der Nationalbank, ihr „legitimer Wirkungskreis“, wovon Dr . Ot to Bauer
sprach, weshalb sie sein Vertrauen erworben hat. Das ist das „ethi s che Interes –
se“ der Notenbank, „Noten zu drucken“, wovon Dr . Reisch sprach (Bericht des Finanzministers
und Bundesausschusses vom 22. Dez. 1926). – Oh, zwanzigstes Jahrhundert!
Begrabe dein Haupt, verhülle deine Augen, verbirg´ dein Angesicht vor
Schande! Nichts ist schändlicher, als deine dumme Währungspolitik!“
Der Intellekt Ursprung der wirtschaftlichen Werte
Der erste Satz in Marxens Lehre, die Arbeit sei das Fundament der
Rente, des Kapitals, der Arbeitswerttheorie, ist kritikwürdig! Nicht die Arbeit ist
das Fundament der Wirtschaft, sie ist lediglich Handlanger im Dienste des menschlichen
Intellekts. Aus der Summe tausendjähriger Erfahrungen und immer neuen geistigen Errungenschaften
zieht der Intellekt aus dem kleinsten Aufwand an Zeit und Mühe den größten
Effekt, schrieb der Berliner Bankdirektor Lansburgh (1872-1937)18. Daraus folgt, daß das
bürokratische Prinzip „Vollbeschäftigung“ einer Modifikation bedarf.
Lehrsatz: Die Wirtschaft produziert weniger mit der Arbeit als mit dem Verstand.
Der Marktpreis aller Güter berechnet sich nicht nach Arbeitsstunden.
Die Arbeit muß den Intellekt unterbieten, anders kann sie sich nicht bewähren. Dann
fällt der Arbeitslohn oft unter das Existenzminimum. Daher sollte sich der Lohn nach dem
Ideenreichtum (Lansburgh) richten. Stichhältig ist Färbers Lohndefinition. Aus der Ar –
b e i t s t e i l i g k e i t der Wirtschaft folgt mit zwingender Notwendigkeit:
Der Lohn entspricht dem individuellen Beitrag zum gesamten Produkt.
Die Ergokratie und die Verteilungsfrage.
Die ergokratische Wirtschaftslehre von Heinrich Färber beruht auf dem
Grundsatz – welcher von den herkömmlichen Wirtschaftslehren nicht erkannt worden
ist – daß aus der Arbeitsteiligkeit der Produktion aller materiellen und ideellen
Lebensgüter unbedingt ein berechtigter Anspruch erwächst für jeden an der
Wertschöpfung Beteiligten, auf die Ausfolgung eines Teils des Produkts und zwar in
einem Umfang, welcher dessen Arbeitsleistung entspricht.
Unbestreitbar ist, daß eine Gesellschaft von Teilhabern, das ist eine Arbeitsgemeinschaft
(Staat, Wirtschaft), ohne eine Regel der Verteilung unvorstellbar ist.
Bedenkt man ferner die Tatsache, daß ausreichend Lebensgüter da sind und außerdem
ungenützte Arbeitskräfte, welche noch mehr von allen guten Dingen herstellen
könnten, und daß dennoch viele Familien der aktiv Tätigen Mangel leiden, so ist
es gewiß, daß nur eine ungerechte Verteilung dafür verantwortlich ist. So lange
kein gerechter Verteilungsmodus gefunden wird, ist an eine Besserung der Wirtschaft
nicht zu denken.
18 Alfred Lansburgh („Argentarius“): „Das Kapital“, Berlin 1930; „Die Arbeit“, Berlin, 1931.

17
Die Plünderung der Wirtschaft durch Geldmonopol und Finanz
Die ergokratische Lehre hat den Verursacher der ungerechten Verteilung
identifiziert: das Geldmonopol. Dieses Geldmonopol agiert in vielen Formen auf
der politischen Bühne: Inflation, Geldentwertung, Kaufkraftschwund, Geldknappheit,
Geldsparen, Wertpapieranlegen, Aktienhandel, Börsenspekulation, Investmentfondsparen,
Steuervergünstigungen, Steuerflucht in Steueroasen, etc. Allen Formen des
Geldmonopols ist eines gemeinsam: Die Erlangung von Zugriffsrechten auf große
Teile des aktuell zirkulierenden Geldvolumens M1 = 250 Mrd ÖS = 18 Mrd. Euro.
Eine der entsetzlichsten Tatsachen ist es, daß die Wertschöpfenden die Entstehung
eines Finanzsektors (Banken, Versicherungen) geradezu erzwungen haben, welcher
aus einer weltweit äußerst kleinen Zahl von Menschen besteht. Das Weltvolk schenkt
diesem Sektor größte Teile seiner Erzeugnisse. Mehr noch: In jedem Lande der Welt
wuchs dem Finanzsektor die Macht zu, ein V iel faches des z i r kul ierenden
Geldes zu fordern! In Österreich fordert er das ca. 23-fache des Geldumlaufs, in
Deutschland das ca. 30-fache des dortigen Geldumlaufs, in der EU fordert er das ca.
20-fache des europäischen Geldumlaufs usw. Nicht Mutwille dieser kleinen Zahl von
Menschen oder deren Gier ist es, sondern ein unerkannter Umstand, welchen man
größtenteils den Abermillionen gedankenlosen, kleinen Sparern ankreiden muß!
„Die Produzenten“, schrieb Heinrich Färber19, „sollten sich daher nicht einbilden,
daß alles, was sie erzeugten, ihnen gehöre. Würde man nämlich alles, was sie haben,
versteigern, könnten sie nicht mehr als den Geldumlauf [M1, d. Verf.] einnehmen,
während das Geldmonopol ein Vielfaches dessen, was die Produzenten haben,
von ihnen fordert. Die Finanz würde alles, was die Produzenten haben, mit einem
geringen Teil der Forderungen erwerben. Den Produzenten bliebe nichts außer der
Rest der Schulden. Kurz, es steht fest, daß die jetzige Wirtschaft so geartet ist, daß
es der Finanz möglich ist, die Produzenten bis aufs Hemd zu plündern.”
Die derzeitige allgemeine Auffassung von Ordnung (monetarischer Kapitalismus
und monetarischer Sozialismus) garantiert dem Geldmonopol, dem Finanzsektor,
schrankenlose Freiheiten zur Ausplünderung der Wirtschaft.
Bei einer Verteilung gemäß der Leistung (E r g o k r a t i e ) wäre eine Ausplünderung
der Wertschöpfenden durch jene, welche sich an der Wertschöpfung nicht zu
beteiligen brauchen, ausgeschlossen. Sollte daher kein gerechter Verteilungsmodus
gefunden werden, ist eine Gesundung der Wirtschaft unmöglich.
Die monetarisch verfasste Wirtschaft beruht auf Zinsen
Geldmonopol und Finanzsektor sind eins. Sie sind Nutznießer des Zinswesens.
Der Zins ist das Werkzeug zur sich monatlich wiederholenden Erzwingung von
Zugriffsrechten auf einen erheblichen Teil des monatlich zirkulierenden Wirtschaftsgeldes
M1. Mit diesem Geldanteil wird der Wirtschaft ein großer Teil der Güter und
Leistungen geraubt. Folglich ist der Zins der Hebel zur Beraubung der Wirtschaft.
Die ergokratische Wirtschaft kommt ohne das Zinswesen aus
In einer durch Ordnungspolitik vor Beraubungen geschützten Wirtschaft gibt es
keine Inflation und keine Zinsen. Sie sind sachlich nicht gerechtfertigt. Das ergokratische
Inflationsverbot bewirkt zweierlei: 1. es verbietet die Geldmengensteuerungspolitik
der Zentralbanken und 2. es macht Börsen und Börsengeschäfte überflüssig. Die
Sorge um das richtige „Geldmengenziel“ entfällt. Nach Färber ist das einmal gedruckte
Geld niemals zu wenig. Es ist lediglich ungerecht verteilt. Für eine geregelte Verteilung
ist die monopolistische Manipulation der Geldmenge ein unpassender Ansatz!
19 Der Ergokrat, Nr. 11, „Denkschrift: Färber an den Präsidenten Roosevelt“, Wien, Juni 1934.

18
Geldmenge: E n twe d e r Bargeld o d e r Buchgeld oder b e i d e s ?
Das zirkulierende Geld kann entweder aus Bargeld oder aus Buchgeld oder aber
aus beiden Geldarten bestehen. Das Bargeld wird in einem „Geldwettlauf“ immer mehr
vom elektronischen Buchgeld verdrängt. Dabei sollte die Geldmenge M1 unverändert
bleiben. Das aus dem Markt verdrängte Bargeld sollte als Reserve zur jederzeitigen Verfügung
in der Zentralbank stillgelegt sein. Das in den Markt hineindrängende Buchgeld
kann das Bargeld daher höchstens ersetzen.
In der ergokratisch geordneten Wirtschaft gibt es kein Steuerproblem
Inflationsverbot und Zinsverbot könnten viele Zentralbankfunktionen entbehrlich
machen. Es entfielen: 1. die Steuerung der Geldmenge; 2. die Leitzinspolitik, 3. Anleihepolitik
und Zinsendienste; 3. die Kürzung des Budgets; 4. die Defizite. Vor allem
entfielen Finanzämter, weil die Steuer durch einen neuen Algorithmus eingezogen
wird und nicht, wie jetzt, indem der Zwangsstaat der Steuer erfolglos hinterher hetzt.
Geldgewinne kein Wirtschaftszweck!
Es gibt keine Geldgewinne ohne Geldverluste. Da Geldverluste unerwünscht sind, istb
der Wirtschaftszweck 1. die Sicherung der Existenz der Bevölkerung,
2. die Schaffung von Wohlbefinden für alle und 3. Maximierung
der Freiheit und Entfaltung jedes Menschen.
Mehr Geld zu bekommen für mehr und bessere Leistungen ist möglich in einem
geordneten Staatswesen, wo dem Gelde keine Potentiale zum Mißbrauch innewohnen.
Im derzeitigen Monetarismus ist das Geld so verfaßt, daß es dreierlei zeitigt:
1. eine Beraubung der Wirtschaft, 2. den Ausschluß eines Teils der Leistungswilligen
aus der Wertschöpfung und 3. steigende Vorenthaltung der Disponibilität / Freiheit

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Die Herrschaft der Hochfinanz brechen, als Voraussetzung eines freiheitlichen Gemeinwesens

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