16.05.12

Presseaussendung


Überparteiliche Plattform
für den Austritt aus der EU
„Initiative HEIMAT & UMWELT“, „Initiative für mehr DIREKTE DEMOKRATIE“,
Anti-Gentechnik-Plattform „PRO LEBEN“, Tierschutzorganisation „ANIMAL SPIRIT“.
p.A. „Initiative Heimat & Umwelt“,
3424 Zeiselmauer, Hageng. 5, Tel. 02242 / 70516
w w w. e u - a u s t r i t t s - v o l k s b e g e h r e n . a t



Die von der ÖVP-Ministerin behaupteten „Formalfehler“ seien an den Haaren herbeigezogen und dienen ausschließlich der Blockierung bzw. Hinausschiebung des eindeutig erkennbaren Bürgerwillens zum Austritt der Republik Österreich aus der ruinösen EU – siehe auch die jüngste Meinungsumfrage von IMAS: nur mehr 29% der Österreicher sehen in der EU mehr Vorteile als Nachteile – der wahre Grund für die Blockierung des EU-Austritts-Volksbegehrens…

Inge Rauscher weiter: „Die fast 10.000 Erstunterzeichner des EU-Austritts-Volksbegehrens werden jedenfalls ihre Schlüsse aus der für Juni erwarteten Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs über die Anfechtung („Beschwerde“ gemäß § 144 Abs. 1 Bundesverfassungsgesetz) des Volksbegehrens-Verhinderungs-Bescheids der Innenministerin ziehen und den Kampf um dieses Volksbegehren auf jeden Fall fortsetzen. Dabei wird sich zeigen, ob den kürzlich medial kolportierten Worten des Präsidenten des VfGH, Gerhart Holzinger, „die Politik möge Volksbegehren ernster nehmen als bisher“, auch Taten folgen werden und zumindest der VfGH selbst bereits eingeleitete Volksbegehren ernst nimmt.“

Dr. Franz-Joseph Plank, Obmann der Tierschutzorganisation ANIMAL SPIRIT und Mit-Initiator des EU-Austritts-Volksbegehrens ergänzt: „In der Wiege der direkten Demokratie, der Schweiz, können hunderttausend Bürger mit Unterschriften, die nicht vor den Gemeindeämtern oder einem Notar geleistet werden müssen, sondern frei gesammelt werden können, ein Volksbegehren mit zwingender Volksabstimmung, deren Ergebnis für die Regierung bindend ist, zu jedem beliebigen Thema herbeiführen. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Schweiz durch die Ablehnung der großen Mehrheit ihrer Bürger nicht Mitglied der EU wurde. Und das ist auch der Hauptgrund, warum die Schweiz noch immer Vorbild vieler wegweisender Umwelt- und Tierschutzgesetze ist, die in einer zentralistischen, Konzern-abhängigen und volksfernen EU-Autokratie niemals durchzusetzen wären.“

„Direkte Demokratie nach dem Muster der Schweiz setzt nämlich volle staatliche Souveränität voraus und ist daher in EU-Mitgliedstaaten nicht möglich, da dies in klarem Widerspruch zu den EU-Verträgen wäre“, erklärt Helmut Schramm, Sprecher der „Initiative für mehr Direkte Demokratie“ und Mitbetreiber des EU-Austritts-Volksbegehrens. „Politiker, die zur „direkten Demokratie“ aufrufen, müßten gleichzeitig entweder zum Bruch der EU-Verträge oder zum Austritt aus der EU aufrufen – egal von welcher Partei. Alles andere wäre Betrug an den Wählern!“

Rückfragehinweis: Überparteiliche Plattform für den Austritt aus der EU,
Inge Rauscher (+43) 02242 / 70516, email: helmutschramm@gmx.at


APA-Presseaussendung

14.05.12

Mai/2012: Volksentscheid gegen den EURO-Wahn (mit K.A. Schachtschneider)

 Mitschnitt der öffentlichen Premiere der Mai-Ausggabe von COMPACT-Magazin

Die aktuelle Ausgabe von COMPACT-Magazin (5/2012) hat den Schwerpunkt “Das neue Geld – Was nach dem Euro kommt”. Passend dazu referierte Prof. K.A. Schachtschneider auf unserer Premierenveranstaltung – der Euro-Kritiker der ersten Stunde, das demokratische Urgestein sprach zum Thema Volkssouveränität und drohende Euro-Diktatur.

Jürgen Elsässer Blog


Video auf Youtube

10.05.12

Weg mit dem Euro!


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Dreizehn Jahre nach Einführung des Euro ist offensichtlich, dass das Euro-Währungsexperiment nicht nur seine Verheißungen nicht eingelöst hat, sondern dass seine Fortführung sogar in ein Chaos münden wird: Aus diesem Grunde wenden sich vierzehn namhafte deutsche und französische Wirtschaftsexperten mit einem Appell an die Regierungen der Europäischen Union.

Appell an die Regierungen der Europäischen Union
Ausgearbeitet von einer Gruppe deutscher und französischer
Wirtschaftsexperten in Düsseldorf

Dreizehn Jahre nach Einführung des Euro ist es offensichtlich, dass dieses Experiment nicht nur seine Verheißungen nicht eingelöst hat, sondern dass seine Fortführung sogar in ein Chaos münden wird.
Statt Wohlstand erleben wir einen Wirtschaftsabschwung in fast allen Ländern der Euro-Zone und damit einhergehend eine erheblich steigende Arbeitslosigkeit.


Statt Haushaltsdisziplin haben wir einen verantwortungslosen Anstieg der Staatsschulden erlebt, den eine Reihe schmerzhafter Sparmaßnahmen nicht verringert hat.
Statt einer besseren wirtschaftlichen Integration erleben wir ein sich verschärfendes Gefälle zwischen den jeweiligen Ländern. Die Länder Süd-Europas, allen voran Griechenland aber auch Portugal, Spanien, Italien und sogar Frankreich, erleben seit zehn Jahren eine stete Verschlechterung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Weil das Wechselkursventil verstopft ist, verringert sich die Kaufkraft der einen Länder, während in den anderen Wachstum und Beschäftigung gedrückt werden. So wird die harmonische Entwicklung des europäischen Binnenmarktes beeinträchtigt.
Statt eines Zusammenwachsens der Völker erleben wir eine wachsende Feindseligkeit zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern.
Statt einer Weiterentwicklung der Demokratie erleben wir, dass den Völkern von oben Entscheidungen aufgezwungen werden, an denen sie nicht beteiligt sind und die sie ablehnen.

Die verschiedenen Schirme, die aufgespannt werden, um „den Euro zu retten“, sind vergeblich, denn sie befassen sich ausschließlich mit den Staatsschulden und packen das eigentliche Problem nicht an der Wurzel des Übels - mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und defizitäre Leistungsbilanzen der Länder Südeuropas. Der Versuch, den Abwertungsbedarf über interne Deflationsprozesse zu kompensieren, stößt sie noch tiefer in die Rezession (historische Beispiele: Deutschland 1930, Frankreich 1934).
Ein Ziel verfolgend, das ohnehin nicht erreichbar ist, begibt sich Europa in einen Rezessionssog, der den wichtigsten Weltmarkt trifft und die ganze Welt beunruhigt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) - ihre Grundsätze und Satzung missachtend - sieht keinen anderen Ausweg, um den Euro zu retten, als massiv Geld zugunsten der Banken zu drucken.
Es ist darüber hinaus genauso so illusorisch zu hoffen, ein „Europa der Transfers“ würde die Währungsunion stabilisieren. Eine Politik dauerhafter Transfers von Hunderten von Milliarden Euro in die angeschlagenen Länder läuft auf eine Vergemeinschaftung der Staatsschulden hinaus. Die Völker, die ihren Beitrag dazu leisten müssten, werden diese Lösung auch deshalb ablehnen, weil sie dauerhaft kontraproduktive Anreize für die Schuldnerländer schaffen würde. Eine Palliativhilfe ohne Perspektiven kann die Beschleunigung der Erschütterungen, die nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Realwirtschaft treffen, nicht verhindern.
Wenn dieser Euro-Rettungspolitik nicht unverzüglich ein Ende gesetzt wird, wird das Abenteuer der Gemeinschaftswährung dramatisch enden: Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, ausufernde Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen, zunehmende extremistische Tendenzen, Wiederaufflammen alter Konflikte, Auflösung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – alle diese negativen Faktoren führen dazu, dass die Länder Europas unregierbar werden und die Bedeutung Europas in der Welt schweren Schaden nehmen wird.
Die Europäische Union darf nicht weiter Spielball der auf Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ausgerichteten globalen Finanzoligarchien bleiben. Ist es nicht beschämend zu sehen, wie sie sich Politik und Wirtschaft untertan machen, und nach ihren Interessen vor sich hertreiben?
Es ist offensichtlich, dass nur Ab- und Aufwertungen, die der jeweiligen Situation eines jeden Landes angepasst sein müssen, das Ungleichgewicht zwischen ihnen beenden und somit das Wachstum wiederbeleben können. Die Geschichte liefert zahlreiche Beispiele von Brüchen in Währungsunionen: Es ist möglich, sie politisch und wirtschaftlich geordnet zu steuern, und sie haben sich oft schon nach wenigen Monaten als sinnvoll erwiesen.
Aus all diesen Gründen appellieren deutsche und französische Wirtschaftsexperten, die sich am 7. Oktober 2011 in Lyon und am 11. und am 12. April 2012 in Düsseldorf getroffen haben, an ihre jeweiligen Regierungen, Folgendes zu vereinbaren und den anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union vorzuschlagen.


Deutsche Unterzeichner: Bruno Bandulet, Rolf Hasse, Wilhelm Nölling, Karl Albrecht Schachtschneider, Wolf Schäfer, Dieter Spethmann, Joachim Starbatty
Französische Unterzeichner: Professeur Alain Cotta, Jean Pierre Gérard, industriel et ancien membre du Conceil de politique monétaire de la Banque de France, Jean-Luc Gréau, ancien économiste du Medef, Roland Hureaux, le Professeur Gérard Lafay, Philippe Murer et Michel Robatel
www.deutschland.net

Niederlande: Wilders macht EU-Austritt zum Haupt-Wahlkampfthema

Der niederländische Oppositionspolitiker Geert Wilders will den totalen Austritt seines Landes - nicht nur aus dem Euro, sondern gleich komplett aus der EU. Er möchte, dass die Niederlande wie Norwegen lediglich Mitglied im EWR oder wie die Schweiz in der EFTA bleiben.
(... )Wir können wie Norwegen Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sein oder der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), wie die Schweiz, um so einen wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen“, sagte Geert Wilders. „Wenn wir kein Mitglied der EU und der Eurozone sind, dann könnten wir wieder selbst entscheiden, wer in unser Land kommt.“ mehr>>>

07.05.12

Der Europäische Stabilitätsmechanismus oder wie Goldman Sachs Europa übernahm

von Ellen Brown
Der Putsch von Goldman Sachs, der in Amerika scheiterte, ist in Europa schon fast gelungen – ein permanenter, unwiderruflicher, unanfechtbarer Bailout für die Banken, garantiert von den Steuerzahlern.
Im September 2008 hat Henry Paulson, früher CEO von Goldman Sachs, es geschafft, dem Kongress ein 700 Milliarden Hilfspaket abzupressen. Aber um das zustandezubringen, musste er auf die Knie gehen und den Zusammenbruch des gesamten globalen Finanzsystems und die Verhängung des Ausnahmezustands androhen; und das Rettungspaket war eine einmalige Angelegenheit. Paulsons Appell für einen dauernden Rettungsfonds – das Troubled Asset Relief Programm oder TARP – stiess im Kongress auf Widerstand und wurde schliesslich abgelehnt.
Bis Dezember 2011 war der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, ehemaliger Vizepräsident von Goldman Sachs Europa, in der Lage, ein 500-Milliarden-Euro-Rettungspaket für die europäischen Banken zu genehmigen, ohne irgend jemanden um Erlaubnis zu fragen. Und im Januar 2012 wurde bei Nacht und Nebel eine – Europäischer Stabilitäts-Mechanismus (ESM) genannte – permanente Unterstützungsregelung (ein Rettungsschirm) verabschiedet, die in der Presse kaum Erwähnung fand. Der ESM zwingt den EU-Mitgliedsregierungen eine unbegrenzte Schuld auf und nimmt die Steuerzahler für alle Forderungen der eurokratischen Aufpasser des ESM in die Pflicht.
Der Putsch der Banker triumphierte in Europa anscheinend kampflos. Der ESM wird von den Regierungen der Euro-Zone, ihren Gläubigern und «dem Markt» gleichermassen bejubelt, da ihre Hauptinvestoren weiterhin Staatsanleihen kaufen werden. Alles wird den Forderungen der Gläubiger geopfert, denn wo sonst soll das Geld herkommen, um die lähmenden Schulden der Regierungen der Euro-Zone im Fluss zu halten [das heisst, den Mechanismus der Kreditaufnahme zur Refinanzierung der Staatsschulden am Laufen zu halten]?
Es gibt eine Alternative zur Schuldensklaverei gegenüber den Banken. Aber zunächst ein genauerer Blick auf die schändliche Schattenseite des ESM und die lautlose Übernahme der EZB durch Goldman Sachs …

Die dunkle Seite des ESM

Der ESM ist eine permanente Unerstützungseinrichtung, welche dazu vorgesehen ist, die vorläufigen Einrichtungen der Europäischen Finanzstabilitätsfazilität EFSF und des Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus EFSM zu ersetzen, sobald er von Mitgliedstaaten ratifiziert ist, die zusammen 90 Prozent der Kapitalverpflichtungen ausmachen; man erwartet, dass dies im Juli 2012 der Fall sein sollte. Ein Video auf Youtube vom August 2011 mit dem Titel «Stoppt EU-Schulden­union (ESM-Vertrag)!» (englisch Dezember 2011: «The shocking truth of the pending EU Collapse!» Die schockierende Wahrheit über den bevorstehenden Zusammenbruch der EU!), ursprünglich deutsch ins Internet gestellt, vermittelt einen so entlarvenden Blick auf den ESM, dass es sich lohnt, ausführlich daraus zu zitieren. Darin wird ausgeführt:
«Die EU plant ein neues grundlegendes Gesetz, den Vertrag zum sogenannten Europäischen Stabilitätsmechanimus: ESM. […] Das Grundkapital beträgt 700 Milliarden Euro. Ich frage mich: Wieso eigentlich 700 Milliarden?»
[Mögliche Antwort: Das ahmt die 700 Milliarden Dollar nach, mit denen sich der US-Kongress im Jahre 2008 einkaufte.]
«Artikel 9: […] Die ESM-Mitglieder sagen hiermit bedingungslos und unwiderruflich zu, bei Anforderungen jeglichem […] Kapitalbedarf binnen 7 (sieben) Tagen nach Erhalt dieser Aufforderung nachzukommen.
Ich frage mich – nichts. Das habe ich verstanden. Wenn der ESM ruft, dann muss es schnell gehen. Immerhin sieben Tage. […]. Nur vielleicht: Was heisst ‹bedingungslos und unwiderruflich›? Wenn ein neues Parlament gewählt wird, das den Transfer dann nicht mehr will? Das geht dann also nicht mehr?»
«Artikel 10: Der Gouverneursrat kann Änderungen des Grundkapitals beschliessen und Artikel 8 […] entsprechend ändern.
Ich frage mich: Wie bitte? Die 700 Milliarden sind also nur der Anfang? Der ESM kann also beliebig nachfordern? Unbegrenzt? Und wir sind dann, siehe Artikel 9, bedingungslos und unwiderruflich verpflichtet zu zahlen?»
«Artikel 27, Absatz 2: Der ESM […] verfügt über volle Rechts- und Geschäftsfähigkeit für […] das Anstrengen von Gerichtsverfahren.
Absatz 3. Der ESM, sein Eigentum, seine Finanzmittel und Vermögenswerte geniessen umfassende gerichtliche Immunität […].
Ich frage mich: Der ESM kann selber klagen, aber nicht verklagt werden?»
«Artikel 27, Absatz 4: Das Eigentum, die Finanzmittel und Vermögenswerte des ESM sind vom Zugriff durch Durchsuchung, Beschlagnahme, Einziehung, Enteignung und jede andere Form der Inbesitznahme […] durch Regierungshandeln oder auf dem Gerichts-, Verwaltungs- oder Gesetzeswege befreit.
Ich frage mich: Befreit von Zugriffen durch Gerichte – das hatten wir doch eben schon. Aber auch unsere Regierungen, unsere Verwaltungen und unsere demokratischen Gesetze – alle macht- und rechtlos gegen den ESM? Ganz schön mächtig, dieser ESM!»
«Artikel 30: Die Gouverneursratsmitglieder, Direktoren und Stellvertreter und das Personal geniessen Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer […] Handlungen und Unverletzlichkeit ihrer amtlichen Schriftstücke …
Ich frage mich: Und wer da mitmacht, ist fein raus? Keine Verantwortung, niemandem gegenüber? […] Eine neue Behörde, an die wir mit 7-Tagesfrist unbegrenzt unser Vermögen abliefern müssen, wenn die das wollen? Die Behörde kann uns verklagen, wir sie aber nicht? Alle Beteiligten geniessen Immunität? Es gelten keine Gesetze? Keine Regierung kann etwas unternehmen? Europas Staatshaushalte in einer und noch dazu nicht gewählten Hand? Ist das die Zukunft Europas? Ist das die neue EU – ein Europa ohne souveräne Demokratien?»

Der Goldman Vampir1 erbeutet Europa

Im letzten November hat der ehemalige Goldman CEO Mario Draghi ohne Trara und von der Presse kaum beachtet Jean-Claude Trichet an der Spitze der EZB abgelöst. Draghi verlor keine Zeit, um für die Banken das zu tun, was die EZB den Regierungen ihrer Mitgliedsländer verweigerte – sie mit Geld überschütten zu sehr tiefen Zinsen. Der französische Blogger [und Forschungsdirektor am Centre national de la recherche scientifique CNRS] Simon Thorpe2 berichtet:
«Am 21. Dezember ‹verlieh› die EZB 489 Milli­ar­den Euro an europäische Banken zum extrem grosszügigen Zins von gerade einem Prozent über drei Jahre. Ich sage ‹verlieh›, aber in Wirklichkeit haben sie einfach die Druckerpresse laufen lassen. Die EZB hat das Geld nicht, um es zu verleihen. Es handelt sich erneut um Quantitative Lockerung.»
Das Geld wurde praktisch sofort von insgesamt 523 Banken geschluckt. Das ist völliger Wahnsinn. Die EZB hofft, dass die Banken damit etwas Nützliches tun werden – etwa den Griechen Geld leihen, die an den Anleihemärkten gegenwärtig 18 Prozent zahlen, um Geld zu erhalten. Aber es bestehen absolut keine weiteren Bedingungen: wenn die Banken beschliessen, mit dem Geld Boni auszuzahlen, ist das in Ordnung. Oder sie könnten alles Geld zu Steueroasen transferieren.
Bei 18 Prozent Zins verdoppelt sich die Schuld in nur vier Jahren. Es ist diese drückende Zinslast, nicht die Schuld an sich, die Griechenland und andere Schuldnerländer lahmlegt. Thorpe schlägt die auf der Hand liegende Lösung vor:
Warum das Geld nicht direkt der griechischen Regierung leihen? Oder der portugiesischen Regierung, die Geld zurzeit für 11,9 Prozent Zins entleihen muss? Oder der ungarischen Regierung, die gegenwärtig 8,53 Prozent zahlt? Oder der irischen Regierung, sie zahlt zurzeit 8,51 Prozent? Oder der italienischen Regierung, die 7,06 Prozent zu zahlen hat?
Der Standard-Einwand gegen diese Alternative lautet, dass Artikel 123 des Lissabonner Vertrages die EZB daran hindere, Regierungen Geld zu leihen. Aber Thorpe argumentiert:
«Ich verstehe Artikel 123 so, dass er gewählte Regierungen daran hindern soll, die Zentralbanken dadurch zu missbrauchen, dass sie letztere anweisen, Geld zu drucken, um übermässige Ausgaben zu finanzieren. Das, sagt man uns, ist der Grund, warum die EZB unabängig von den Regierungen sein müsse. Gut. Aber was wir nun haben, ist millionenfach schlimmer. Heute ist die EZB vollständig in der Hand des Bankensektors. ‹Wir wollen eine halbe Milliarde wirklich billiges Geld!!› sagen sie. Okay, kein Problem. Mario ist da, um das zu richten. Und es besteht kein Bedarf, irgend jemanden zu konsultieren. Im Zeitpunkt, zu dem die EZB ihre Ankündigung macht, ist das Geld schon verschwunden.
Wenn die EZB wenigstens unter der Aufsicht gewählter Regierungen arbeiten würde, hätten wir einen gewissen Einfluss, wenn wir diese Regierungen wählen. Aber der Haufen, der nun seine schmutzigen Hände an den Instrumenten der Macht hat, ist völlig ausser Kontrolle.»
Goldman Sachs und die Finanztechnokraten haben das europäische Schiff übernommen. Die Demokratie ist futsch – alles im Namen dessen, dass die Zentralbank von den «Missbräuchen» der Regierung unabhängig gehalten werden müsse. Aber die Regierung ist das Volk – oder sie sollte es sein. Eine demokratisch gewählte Regierung vertritt das Volk. Die Europäer werden dazu verleitet, ihre in Ehren gehaltene Demokratie einer Gaunerbande von Finanzpiraten zu überlassen, und die übrige Welt ist nicht weit davon entfernt.
Die Europäer wären besser beraten, anstatt den drakonischen ESM-Vertrag zu ratifizieren, Artikel 123 des Lissabonner Vertrages grundlegend zu revidieren. Dann könnte die EZB Kredite direkt an die Regierungen ihrer Mitglieder ausgeben. Oder aber die Regierungen der Euro-Zone könnten ihre wirtschaftliche Souveränität wiederherstellen, indem sie die der öffentlichen Hand gehörigen Zentralbanken wiederbeleben und sie nutzen, um Kredite des Staates zum Wohle des Landes auszugeben, und das praktisch zinsfrei. Das ist keine neue Idee, sondern wurde in der Geschichte schon mit gutem Erfolg praktiziert, zum Beispiel in Australien von der Commonwealth Bank of Australia und in Kanada von der Bank of Canada.
Heute ist die Emission von Geld und Kredit zum privaten Recht von vampirartigen Couponschneidern geworden, die es dazu nutzen, den Lebenssaft aus den Volkswirtschaften zu saugen. Dieses Recht muss an die souveränen Regierungen zurückgegeben werden. Kredit sollte ein öffentlicher Nutzen sein, der zum Wohle des Volkes ausgegeben und gehandhabt wird.    •
Quelle: Global Research. 9. April 2012.

URL: www.globalresearch.caindexphp?context=va&aid=30403

(Übersetzung Zeit-Fragen)
1 Vampire Squid, Tiefseevampir: Bezeichnung für Goldman Sachs.
2 http://simonthorpesideas.blogspot.com/
* Ellen Brown ist Rechtsanwältin und Präsidentin des Public Banking Institute, PublicBankingInstitute.org. Im jüngsten ihrer elf Bücher, «Web of Debt», zeigt sie, wie ein privates Kartell dem Volk widerrechtlich die Macht zur Schöpfung von Geld entrissen hat und wie das Volk sie sich zurückholen kann. Ihre Webseiten sind: http://WebofDebt.com und http://EllenBrown.com

aus Zeit-Fragen Nr. 18/19 von 30. Apri 3012

03.05.12

Erneuter Vortrag von Prof. Schachtschneider in Wien

Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider
Ordinarius für Öffentliches Recht

Einladung 
zum 
Informations- u. Diskussionsabend
 
„Was bedeuten Eurohaftungsschirm, Fiskalunion und EU-Wirtschaftsregierung für den Einzelnen?“
 
Es spricht:
 
Univ. Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider
 
am Mittwoch, 23. Mai 2012, um 19 Uhr
in W I E N im "KOLPINGHAUS WIEN-ALSERGRUND"
im 9. Bezirk, Liechtensteinstr. 100

 Eintritt freie Spende

***

Über den Referenten:

Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider

Geboren am 11. Juli 1940 in Hütten/Pommern; Altsprachliches Abitur in Berlin 1960; Studium der Rechte in Berlin, Bonn und Tübingen; 1964 Erstes, 1969 Zweites Juristisches Staatsexamen in Berlin; 1969 Promotion zum Dr. iur. an der Freien Universität Berlin; 1986 Habilitation für das Staats-, Verwaltungs- und das private und öffentliche Wirtschafts­recht durch den Fachbereich Rechtswissenschaft I, Hamburg; 1969 - 80 Rechtsanwalt in Berlin; 1972 - 78 Professor für Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (Abendstudium); 1978 - 89 Universitätsprofessor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg; 1989 Ordinarius für öffentliches Recht der Universität Erlangen-Nürnberg; Prodekan und Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg 1992 – 1995; 2005 emeritiert; seither freiberuflich Lehrveranstaltungen, Prozesse, Vorträge, Veröffentlichungen.
Auswahl der Schriften: Das Sozialprinzip,1974; Staatsunternehmen und Privatrecht. Kritik der Fiskustheorie, exemplifiziert an § 1 UWG,1986; Res publica res populi. Grundlegung einer Allgemeinen Republiklehre. Ein Beitrag zur Freiheits-, Rechts- und Staatslehre,1994; Die existentielle Staatlichkeit der Völker Europas und die staatliche Integration der Europäischen Union,1995; Sozialistische Schulden nach der Revolution. Kritik der Altschuldenpolitik. Ein Beitrag zur Lehre von Recht und Unrecht,1996; Die Euro-Klage. Warum die Währungsunion scheitern muß,1998, mit W. Hankel, W. Nölling, J. Starbatty; Demokratiedefizite in der Europäischen Union, FS W. Hankel, 1999; Die Euro-Illusion. Ist Europa noch zu retten? 2001, mit W. Hankel, W. Nölling, J. Starbatty; Grenzen der Kapitalverkehrsfreiheit, in: ders., Rechtsfragen der Weltwirtschaft (Hrsg.), 2002; Revolution der Krankenversicherung. Prinzipien, Thesen und Gesetz, 2002, mit W. Hankel und A. Emmerich-Fritsche; Deutschland nach dem Konventsentwurf einer "Verfassung für Europa", FS W. Nölling, 2003; Der Anspruch auf materiale Privatisierung, exemplifiziert am Beispiel des staatlichen und kommunalen Vermessungswesens in Bayern, 2005; Fallstudien zum Öffentlichen Wirtschaftsrecht, 4. Aufl. 2005; Freiheit - Recht- Staat. Aufsatzsammlung zum 65. Geburtstag, 2005; Prinzipien des Rechtsstaates, 2006; Freiheit in der Republik, 2007; Verfassungsrecht der Europäischen Union,Wirtschaftsverfassung mit Weltwirtschaftsordnung, 2010; Grenzen der Religionsfreiheit am Beispiel des Islam, 2011;

Wichtige Prozesse: Berliner Wahlprüfung, 1975; Maastricht (Europäische Union), 1992/93; Gesundheitsstrukturgesetz, 1993 ff.; Altschulden (DDR), 1996; Europäische Währungsunion, 1998; Transplantationsgesetz, 1999; Abschaffung des Bayerischen Senats, 1999; Vertrag über eine Verfassung für Europa, 2005 ff.; Lissabon-Vertrag, 2008 f..; Griechenlandhilfe und Rettungsschirm für die Währungsunion, 2010.
Arbeitsgebiete: Freiheits-, Rechts- und Staatslehre (kantianisch); Verfassungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsrecht; Europäisches Verfassungs- und Wirtschaftsrecht; Weltwirtschaftsrecht; Sozialrecht, Staatsunternehmensrecht: Arbeitsverfassungsrecht, Geld- und Währungsrecht; Medienrecht; Recht der freien Berufe, Steuerverfassungsrecht.

 

02.05.12

Der geplante Verfassungsputsch im Mai

ESM – der Weg Österreichs in den kollektiven Selbstmord

von Friedrich Romig*

Für Mai 2012 plant unsere Regierung den grossen Verfassungsputsch. Zum 700-Milliarden-Euro-plus-Monster namens «Europäischer Stabilitäts-Mechanismus» soll das Parlament ja und amen sagen und dann auf ewig seinen Mund halten. Die Regierung will das Parlament buchstäblich «entmündigen». Der ESM ist eine Mega-Bad-Bank, die uneinbringliche Schulden zahlungsunfähiger Staaten (PIIGS) aufnimmt, um sie von den reichen Staaten (D, NL, FIN, AT) und ihren Bürgern «bedienen» zu lassen. Allein der Finanzminister als «Gouverneur» der neuen Mega-Bad-Bank ESM soll in Brüssel unwiderruflich entscheiden, welche Unsummen wir aufzubringen haben und wohin unser Steuergeld zu fliessen hat. Der von Faymann am 2. Februar 2012 unterzeichnete und im Mai zur Ratifizierung anstehende Knebelvertrag ist ein totalitärer Anschlag auf das Verfassungsrecht, auf den Primat des Nationalrats und die Souveränität unseres Staates in Finanz- und Budgetfragen. Zur Unterstützung zahlungsunfähiger Staaten werden uns Bürgern auf Generationen hinaus die Mittel entzogen, die wir selbst dringend brauchen, um wenigstens halbwegs über die Runden zu kommen, unsere Sozialnetze vor dem Zerreissen zu bewahren, die Infrastrukturen zu erhalten und unserer Jugend jene Ausbildung zu ermöglichen, die sie für ihren Lebenskampf braucht.

Was ist beabsichtigt?

Der einzige Zweck des Putsches ist die Entschuldung schwacher Euro-Staaten zu Lasten der starken und ihrer Bürger. Es soll also genau das geschehen, was bei Einführung des Euro ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Niemals hätten Deutsche oder Österreicher der Einführung des Euro zugestimmt, wäre ihnen gesagt worden, sie müssten die Schulden anderer Staaten bezahlen oder für sie bürgen. Der Gedanke an eine «Schuldenunion» war für alle Regierungen und sogar für den Mr. Euro, Herrn Claude Juncker, so absurd wie in den 90er Jahren «eine Hungersnot in Bayern». Das wurde vertraglich eisern und unmissverständlich in der «No-Bailout»-Klausel (heute Art. 125 AEUV) fixiert: «Kein Staat haftet oder zahlt für einen anderen Staat». Und ausdrücklich wurde verboten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Gelddruckmaschine anwirft, um Staatsschulden zu finanzieren. Jetzt tut sie genau das!
Im Mai 2010 wurden durch die Staatschefs im Zusammenwirken mit der EZB in einer Nacht- und Nebelaktion die Verträge gebrochen. Ein einmaliger Vorgang: Die Staatschefs, die auf die Verfassung eingeschworen sind, brechen das Recht und machen das, wofür jeder Bürger bestraft wird. Das war das Ende des Rechtsstaats in Europa. Seit diesem Rechtsbruch kam es auf rund 10 Gipfeltreffen zu einer Kette von illegitimen «Rettungsmassnahmen», welche die zahlenden Euro-Mitglieder zugleich mit den «beschirmten» Schuldnern immer tiefer in den Schuldensumpf zogen, in dem sie nun versinken und ihre Freiheit verlieren. Denn ohne Recht gibt es keine Freiheit.

Der Putsch durch ein neues «Ermächtigungsgesetz»

Mit dem ESM-Vertrag wird einer kleinen Gruppe von Personen, dem aus den Finanzministern der Euro-Mitgliedstaaten bestehenden «Gouverneursrat» (Art. 5), eine praktisch unkontrollierbare, politische und finanzielle Macht übertragen.
Die «Gouverneure» können das zunächst mit 700 Milliarden bestimmte Stammkapital des ESM jederzeit beliebig erhöhen (Art. 8, Abs. 2: Art. 10, Abs. 1).
Sie können jederzeit noch nicht eingezahltes Stammkapital einfordern. Innerhalb von 7 Tagen müssen die Staaten der Aufforderung nachkommen.
Sie können es dem ESM gestatten, Kredite in unbegrenzter Höhe aufzunehmen (= EuroBonds!), um schwache Länder und ihre Banken zu finanzieren (Art. 21).
Die Leitung des ESM kann unbeschränkt Geschäfte jeder Art mit jedermann abschliessen. Sowohl die Leitung wie die Gouverneure geniessen Immunität vor gerichtlicher Verfolgung, auch dann, wenn sie Gelder veruntreuen oder aufs Spiel setzen (Art. 35).
Die Gouverneure, Leitung und Mitarbeiter haben Schweigerecht und Schweigepflicht. Sie können von niemandem ausserhalb des ESM zur Rechenschaft gezogen werden. Sie selbst bestimmen ihre Prüfer (Art. 26 – 30). Gehalt oder «Entschädigung» setzen sie sich selbst fest. Beides ist von staatlichen Steuern und Abgaben befreit.
Gesetze gelten für den ESM nicht, weder bestehende noch zukünftige. Kein Gericht kann den ESM belangen oder auf sein Vermögen zugreifen. Umgekehrt hat der ESM Klagerecht gegen jedermann (Art. 32).
Der ESM braucht für seine Bankgeschäfte keine Banklizenz, noch untersteht er irgendeiner Finanzaufsicht (Art. 32, Abs. 9).
Der ESM kann praktisch alle banküblichen Finanzgeschäfte tätigen (Art. 14 – 21):
–    Er kann Euro-Ländern Kredite geben (Art. 16),
–    Anleihen von Euro-Ländern zeichnen (Art. 17),
–    Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen oder verkaufen (18),
–    Banken finanzieren (Art. 15),
–    Euro-Ländern Kreditlinien und Ziehungsrechte einräumen (14),
–    Euro-Bonds ausgeben (Art. 21),
–    Zinsen festsetzen (Art. 20),
–    der ESM kann unbegrenzt Kredite aufnehmen und «hebeln» (Art. 21),
–    die Liste der Geschäfte jederzeit ändern und erweitern (Art. 19).
Diese ungeheuerliche Kompetenzübertragung bringt selbst dem «grünen» EU-Freak Alexander van der Bellen «die Galle hoch», wie er im «Standard» vom 30. März 2012 schreibt: «Nur weil die Regierungschefs pfeifen, haben Abgeordnete noch lange nicht zu springen. Sind Parlamente nichts als zeitraubende Schwatzbuden? Gilt jetzt als billiger Populismus, wenn Abgeordnete sich gegen autoritäre Strukturen wehren?»
Seine Fragen sind berechtigt, denn das ESM-Gesetz (es hat noch keinen Namen) ist nur mit dem «Ermächtigungsgesetz» Hitlers aus dem Jahr 1933 vergleichbar. Dieses wurde im Reichstag (am 23. März 1933) damit begründet, dass es «dem beabsichtigten Zweck nicht genügt, wollte die Regierung sich für ihre Massnahmen von Fall zu Fall die Genehmigung des Reichstags erhandeln und erbitten.» Frau Fekter will einen Ausschuss des österreichischen Parlaments gerade noch «informieren» und ihm allenfalls eine «begleitende Kontrolle» einräumen, mehr nicht. Mit den Abnickern aus den Regierungsparteien glaubt sie schnell fertig zu werden. Und sie hat wohl recht damit. Die Gewaltenteilung ist aufgehoben, die Exekutive hat die Legislative längst in die Tasche gesteckt. Die Abgeordneten lesen ja grossteils nicht einmal die Gesetze, die sie beschliessen, ihr Verständnis für komplizierte Finanztransaktionen ist beschränkt. Sie merken gar nicht, dass durch den bevorstehenden Verfassungsputsch das Königsrecht des Parlaments, die Repräsentation des Bürgers in Steuerfragen, durch ihre Zustimmung ausgehebelt wird. Immerhin werden wenigstens FPÖ und BZÖ den Knebelvertrag ablehnen, die «Grünen» jedoch zustimmen. Sie verhandeln bereits, wie uns van der Bellen unterrichtet, mit der Regierung, und wie die Verhandlungen dieser Partei von Heuchlern mit der Regierung ausgehen werden, ist jetzt schon gewiss.

Der Putsch ist der eigentliche Skandal

Der Putsch durch eine unscheinbare Verfassungsänderung, mit der alle ursprünglichen Prinzipien der Europäischen Währungsunion (EWU) auf den Kopf gestellt werden, ist der eigentliche Skandal. Der ESM selbst gehört nicht zum EU-Recht, er beruht auf einem eigenen völkerrechtlichen Vertrag, der nach luxemburgischen Gesellschaftsrecht eine Art Aktiengesellschaft ins Leben ruft («a special purpose vehicle», also eine «Zweckgesellschaft»). Doch weil die «Verfassung» der EU, der sogenannte «Lissabon-Vertrag» (EUV und AEUV), von höherem Rang ist, dürfen völkerrechtliche Verträge von und zwischen den EU-Mitgliedern nicht der EU-Verfassung widersprechen. Daher wird eine Verfassungsänderung notwendig. Diese, angeblich so «unscheinbare Verfassungsänderung» geschieht durch einen Zusatz zu Art. 136 AEUV (Vertrag über die Arbeitsweise der EU), der das Bailout-Verbot aufhebt. Der Zusatz lautet:
«Die Mitgliedstaaten, deren Währung der Euro ist, können einen Stabilitätsmechanismus einrichten, der aktiviert wird, wenn dies unabdingbar ist, um die Stabilität des Euro-Währungsgebiets insgesamt zu wahren.»
Begleitet wird die Einrichtung dieses «Stabilitäts-Mechanismus» durch einen «Fiskalpakt», der die Staaten zur Haushaltsdisziplin anhält. Er erwies sich jedoch schon bei der Unterzeichnung am 21. März 2012 als Plazebo und wurde gebrochen. Spanien kündigte an, die Vorgaben nicht einhalten zu können. Der Fiskalpakt wird, so die Erwartung aller Fachleute, wohl das gleiche Schicksal erleiden wie der bei Schaffung der Währungsunion verabschiedete «Stabilitätspakt» mit den bekannten «Maastricht-Kriterien» (3% Defizit, 60% GDP-Verschuldensgrenze). Er wurde ebenfalls schon bei der Einführung und später noch ungefähr sechzig Mal gebrochen. Es lohnt sich nicht, diesen «Fiskalpakt» näher zu betrachten, er dient allein dazu, den Abgeordneten eine Ausrede für ihre illegitime und gewissenlose Zustimmung zum ESM-Vertrag zu liefern. Ganz abgesehen davon stellt Stephan Schulmeister die Sinnhaftigkeit des Fiskalpakts immer wieder mit guten Gründen in Frage. Würde der Fiskalpakt durchgeführt wie geplant, so wird das gerade die «Rettung» jener Staaten vereiteln, die Hilfe aus dem ESM in Anspruch nehmen müssen und alle anderen mit in die Depression stürzen, so Schulmeister.
 Die Regelung zur Einrichtung des ESM soll im «vereinfachten Vertragsänderungsverfahren» gemäss Artikel 48, Absatz 6, EUV (EU-Vertrag) erfolgen. Der einzige Zweck dieses «vereinfachten Verfahrens» ist die Ausschaltung der Parlamente und die Nichtabhaltung von Volksabstimmungen in Ländern, wo dies für die Ratifikation völkerrechtlicher Verträge und ihre Änderung notwendig ist. Weil durch den ESM-Vertrag das ganze Euro-Konstrukt auf den Kopf gestellt wird, kommt dies einer Gesamtänderung der Verfassung gleich, für die in Österreich eine Volksabstimmung zwingend erforderlich ist. Um sie zu vermeiden, deklarierte man einfach diese «unscheinbare», in Wahrheit aber umstürzende, einer Revolution gleichkommende Einfügung zum Gegenstand des vereinfachten Verfahrens! Durch diesen Trick ist in Österreich jetzt nur noch eine 2/3-Mehrheit im Nationalrat für die Aufhebung des Bailout-Verbots notwendig.
Nach dem Lissabon-Vertrag ist durch eine «Nichtbeistandsklausel» in ganz umissverständlicher Weise das Bailout verboten:
«Ein Mitgliedstaat haftet nicht für die Verbindlichkeiten der Zentralregierungen, der regionalen oder lokalen Gebietskörperschaften oder andere öffentlich-rechtliche Körperschaften, sonstiger Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentlicher Unternehmen eines anderen Mitgliedstaats und tritt nicht für derartige Verbindlichkeiten ein.» (Art. 125 AEUV)
Durch die Aufhebung dieses Kernstücks der nach deutschem Vorbild einst konzipierten «Stabilitätsunion» wird die Europäische Währungsunion zu einer Schulden-, Haftungs- und Transferunion, eine grundlegendere Verfassungsbestimmung, durch welche die ursprünglichen Prinzipien der EWU vollkommen verändert werden, ist kaum denkbar. Man könnte sie mit der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich im Jahr 1938 vergleichen. Auch damals ging der Staat Österreich unter. Bundeskanzler Faymann hat sich vor den Wahlen zum Nationalrat verpflichtet, jede grundlegende Veränderung der Lissabon-Verträge einer Volksabstimmung zu unterziehen. Jetzt versucht er, sich mit «dirty tricks» seiner Verpflichtung zu entziehen und wird wortbrüchig.

Im Schuldensumpf für alle Ewigkeit

Der ESM-Vertrag enthält keine Auflösungs- und Austrittsklauseln. Er verpflichtet alle künftigen Generationen unseres Landes in alle Ewigkeit, die Schulden anderer Länder zu übernehmen und zu bedienen, und das auf Kosten des eigenen Wohlstands. Die Haftung ist praktisch unbegrenzt. Wir haben uns nämlich verpflichtet, die Anteile am ESM auch jener Länder zu übernehmen, die Hilfe aus dem ESM erhalten oder ihren Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen. Suchen alle in Frage kommenden Länder, die sogenannten «PIIGS» (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) um Hilfe an, dann können sich unsere Haftungen und Zahlungen verdoppeln oder verdreifachen. Ausserdem werden die Kredite des IWF prioritär zurückgezahlt und bedient, so dass auch dadurch das Haftungsrisiko nochmals erheblich steigt. Nach der Zustimmung zum ESM sind wir Österreicher praktisch an einer «Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung» beteiligt, aus der wir nicht mehr herauskommen und damit «erpressbar geworden sind» (Prof. Hans-Werner Sinn). Wir befinden uns dann auf dem sicheren «Weg in die Katastrophe» (Prof. Max Otte). Schon seit den ersten, noch bescheidenen Beteiligungen konnten wir uns der ständigen «Aufstockungen» und «Erweiterungen» der nutzlosen Rettungsschirme nicht erwehren. Jetzt betragen Zahlungen und Haftungen für uns Österreicher mehr als 50 Milliarden Euro!

Wofür die zahlungskräftigen Euro-Mitglieder bereits zahlen und haften

Wofür und in welchem Ausmass wir Österreicher zahlen und haften müssen, weiss in Wahrheit niemand. Frau Fekter gab zuletzt (im «Standard» vom 1. April 2012) eine Summe von 40 Milliarden Euro an, doch vergass sie dabei die Zinsen und die bereits eingetretene Ausfälle, nicht zuletzt verursacht durch Spekulationen von inländischen Banken. Zahlreiche Banken müssen Abschreibungen auf ihre Beteiligungen im Ausland vornehmen, die das Steueraufkommen mindern. Die Steuerausfälle müssen von den Bürgern Österreichs durch erhöhte Zahlungen abgedeckt werden. Durch die bereits ausser Kontrolle geratene Inflation erfolgt zusätzlich zur höheren Besteuerung eine «kalte Enteignung» der Vermögen und Realeinkommen. EZB und Notenbanken haben die Geldschleusen geöffnet, neue Blasenbildungen zeichnen sich ab, die eher früher als später platzen und zu weiteren Belastungen führen werden.
Eine grobe Übersicht über weitgehend unbestrittene Zahlungs- und Haftungsbeträge der Gesamtheit der Euro-Länder weist folgende Positionen auf:
In der horrenden Summe von 2,3 Billionen Euro (siehe Tabelle) sind Altbeteiligungen am Kapital des IWF oder der EZB, die natürlich ebenfalls nie zurückgezahlt werden, noch nicht enthalten. Auch die Verluste der EZB durch Abschreibungen auf uneinbringlichen Forderungen gegenüber Banken und auf die von ihnen gestellten Sicherheiten («Collaterals») lassen sich heute nicht beziffern. Die EZB hat ihre Bilanzsumme mit Hilfe ihrer Gelddruckmaschinen in wenigen Jahren auf rund 3 Billionen Euro erhöht und damit verdreifacht! Und das bei praktisch stagnierender Realproduktion! Längst wird sie ihrer eigentlichen Aufgabe, für Preisstabilität zu sorgen, nicht mehr gerecht.
Österreich ist an den Unsummen mit ungefähr 3% beteiligt. Wie hoch das daraus resultierende Risiko ist, lässt sich heute noch kaum abschätzen. Wir stecken jedenfalls bis zum Hals im Schuldensumpf.

Der Ausstieg ist machbar!

Trotzdem ist der Ausstieg machbar. Die von dem englischen, bankenunabhängigen Forschungsinstitut «Lombard Street Research» im Auftrag der Niederländer erstellte Studie «Netherlands and the Euro» (im Internet leicht abrufbar!) kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass selbst der sofortige Ausstieg auf jeden Fall für die Niederländer weit billiger käme als die Weiterführung der Währungsunion bis zum Jahr 2015 oder darüber hinaus. Selbst wenn die bereits geleisteten Zahlungen und noch bestehenden Zahlungsverpflichtungen voll abgeschrieben werden müssten, ist der Nutzen aus dem Ausstieg höher als die Kosten. Die Studie räumt ein für allemal mit der falschen Behauptung auf, die Niederländer hätten von dem Beitritt zur Währungsunion «profitiert». Tatsächlich war der Beitritt von Beginn an mit erheblichen Wohlstandsverlusten verbunden. Geringere Zuwächse an GDP und Real­einkommen pro Kopf, Zunahme an prekären Arbeitsplätzen, höhere Budgetdefizite, höhere Arbeitslosenraten, höhere Abschreibung auf Leistungsbilanzüberschüsse, höhere Inflationsraten, Einbussen an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Ländern wie Schweiz und Schweden lassen deutliche Nachteile aus der Mitgliedschaft in der Währungsunion erkennen. Für die Niederländer wäre der sofortige Ausstieg aus der Euro-Zone sehr zum empfehlen. Die Gefahr einer überbordenden Aufwertung der eigenen Währung (dem niederländischen Gulden) besteht nicht.
Die Ergebnisse dieser gründlichen Studie können ganz ohne Zweifel in hohem Masse auf Österreich übertragen werden. Auch für Österreich gilt, dass der schnellstmögliche Ausstieg aus der Währungsunion, die Nichtbeteiligung am ESM und die Rückkehr zur eigenen Währung die weitaus günstigste Option wäre.
Damit aber entsteht eine Verpflichtung für alle Abgeordneten, Journalisten, Opinion-Leaders und für alle Bürger, denen das Wohl des Landes und der künftigen Generationen am Herzen liegt, sich mit allen Kräften gegen den Putschversuch zu stemmen. Wenn wir diesen geplanten Putsch nicht verhindern, wird die ESM-Mega-Bad-Bank sich auf uns legen wie eine Krake und mit ihren Fangarmen noch den letzten Blutstropfen aus unseren Adern saugen, bevor wir endgültig im Schuldensumpf versinken.    •
* Der Autor lehrte Politische Ökonomie in Wien, Graz und Aachen. Er war Mitglied der Europa­-Kommission der Österreichischen ­Bischofskonferenz. Sein jüngstes Buch «Der Sinn der Geschichte» (Regin-Verlag, Kiel 2011) geht ausführlich auf die gravierenden Folgen der Entwicklung der Europäischen Union zu «Vereinigten Staaten von Europa» ein.
IWF-Anteil am Rettungsschirm (Haftung Euro-Länder!)
250 Mrd. Euro
Bürgschaften für Hilfen aus dem EU-Haushalt (EFSM)
60 Mrd. Euro
Bürgschaften aus dem EFSF (Vorgänger des ESM)
780 Mrd. Euro
1. Rettungspaket für Griechenland (bilateral, inklusive IWF)
109 Mrd. Euro
Privatentschuldung Griechenlands (dafür kommt grösstenteils der Staat
auf indirekte Weise in Form von Zinsdifferenzgeschenken an die Banken
und durch Steuerausfälle auf)
110 Mrd. Euro
EZB-Ankäufe von Staatsanleihen der PIIGS (die nie zurückgezahlt werden!)
220 Mrd. Euro
Target-2-Verbindlichkeiten der PIIGS (uneinbringlich!)
650 Mrd. Euro
Geplante Aufstockung der IWF-Beteiligung durch EWU-Länder
50 Mrd. Euro

Der «Europäische Stabilitäts-Mechanismus» (ESM) als Ermächtigungsgesetz zur Strangulierung der europäischen Staaten

Die «Europäische Freihandelsassoziation» (EFTA) wäre die notwendige und vernünftige Alternative
von Dr. phil. René Roca
 
Die «Europäische Freihandelsassoziation» (EFTA) wurde 1960 von sieben westeuropäischen Ländern, darunter die Schweiz, gegründet. Heute hat die EFTA noch vier Mitglieder, nämlich Island, Norwegen, die Schweiz sowie Liechtenstein. Eigentlich wollten die europäischen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer grossen Freihandelszone, aufbauend auf der «Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit» (OEEC) die wirtschaftliche Entwicklung auf ein nachhaltiges Fundament stellen. Die USA aber machten den europäischen Bestrebungen einen Strich durch die Rechnung. Sie sahen Europa auf dem geostrategischen Schachbrett als abhängige «Bauern» im Status eines Vasallen. Vor diesem Hintergrund baute der Franzose Robert Schumann mit US-amerikanischer Unterstützung – und mit einem mehr im Hintergrund agierenden Jean Monnet – parallel zur OEEC und später zur EFTA die heutige Europäische Union (EU) auf. Schon mit dem ersten Vertrag, der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS oder Montanunion), standen die sechs Gründerstaaten auf einem falschen, nämlich supranationalen Fundament. Eine «Hohe Behörde», gebilligt und gesteuert von den USA, nahm den einzelnen Nationalstaaten entscheidende souveräne Rechte weg. Die EU ist heute ein «Staatenverbund», der mit verschiedenen Verträgen zusammengehalten wird. Zuletzt hat die EU-Elite mit dem Lissabon-Vertrag den Mitgliedsländern ohne Diskussion und Abstimmung der betroffenen Bürger eine Art «Verfassung» diktiert, die nun mit dem «Europäischen Stabilitäts-Mechanismus» (ESM) geändert werden soll. Damit ist dann der letzte Rest an Souveränität in Finanz- und Budgetfragen dahin. Die EU will so die Krise lösen, vertieft aber weiter nur Armut und Elend in einem unvorstellbaren Ausmass. Das viel gepriesene «Europäische Haus», von Anfang an auf Sand gebaut, wird mit dem ESM vollends einstürzen, da auch noch die letzten demokratischen und rechtsstaatlichen Pfeiler zerbröckeln.
Dabei nährte sich die OEEC vom Willen, Europa auf den Trümmern des Zweiten Weltkrieges durch die «Herrschaft des Rechts» wieder auf den demokratischen Weg zurückzuführen. Dies war aber nur möglich auf einem naturrechtlich begründeten Fundament und mit dem Ansatz, die soziale Marktwirtschaft auf dezentraler, föderaler Grundlage zu fördern. Aus solcher Bündelung der Kräfte floss der globale Wille, mit der Uno-Charta und der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte in Europa die totalitären Ideen endgültig hinter sich zu lassen.
Die EFTA versuchte diesen Weg, in Fortführung des Ansatzes der OEEC, weiter zu gehen. Sie war von Anfang an eine rein wirtschaftlich konzipierte Freihandelszone und verfolgte als wichtigstes Ziel die Beseitigung von Handelsbarrieren unter ihren Mitgliedstaaten, und zwar bar jeglicher Machtpolitik, die Zusammenarbeit und friedlichen Wiederaufbau ins Zentrum rückend.
Im Leitungsgremium, dem EFTA-Rat mit Hauptsitz in Genf, sind bis heute alle Mitgliedstaaten gleichberechtigt mit einer Stimme vertreten; Beschlüsse bedürfen der Einstimmigkeit, das heisst, es wird solange diskutiert, bis eine gute Lösung für alle auf dem Tisch liegt. Dieses Vorgehen bedingt, sich in andere Positionen einzudenken und die Fähigkeit zu entwickeln, faire Kompromisse einzugehen. Die EFTA-Konvention beinhaltet nicht die Schaffung von supranationalen Instanzen oder Befugnissen. Dementsprechend ist der institutionelle Aufbau der EFTA im Vergleich zur EU sehr einfach und verursacht keine grossen Kosten.
Der EFTA-Rat und die EFTA-Mitgliedsländer verfolgen ausdrücklich nur wirtschaftspolitische Ziele, ohne Preisgabe ihrer nationalen Souveränität. Deshalb konnten und können sie auch darauf verzichten, einzelstaatliche Kompetenzen auf gemeinsame Organe zu übertragen. Die EFTA-Länder vereinbarten etappenweise den Abbau ihrer Zölle auf Industriewaren. Sie schlossen Agrarprodukte ausdrücklich von der Liberalisierung des Warenverkehrs aus. Eine gemeinsame Agrarpolitik hätte der Grundstruktur einer lockeren Assoziation widersprochen. Der bisherige Weg der EFTA war mit diesen Grundprinzipien sehr erfolgreich, ohne Anspruch sich wie die EU zu einem politischen Gebilde gemäss der «Methode Monnet» entwickeln zu müssen.
Die EFTA existiert noch und muss nun einzelne EU-Staaten überzeugen, ihr beizutreten, um die grosse europäische Freihandelszone im 21. Jahrhundert doch noch zu verwirklichen. Die EFTA könnte – zusammen mit dem Europarat – die Grundlage für einen neuen europäischen Gesellschaftsvertrag sein. Die EFTA würde so – gerade in der gegenwärtigen Sozial- und Wirtschaftskrise – zu einer Hoffnung für die europäischen Völker, in einem unabhängigen Eu­ropa in Frieden und Freiheit zusammenleben zu können.    •


Quelle: Zeit-Fragen

EZB: Kredite bis zum Jahr 9999


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von Michael Mross
Die EZB-Bilanz stieg im März auf über 3 Billionen. - Was hat die EZB in ihren Büchern? Antwort: Nur Dreck! Ein Highlight: Portugal-Anleihen mit einer Laufzeit bis 31.12.9999 – also rückzahlbar in rund 8000 Jahren! - "Der Euro ist das größte Betrugssystem der Menschheitsgeschichte in Friedenszeiten".

27.04.12

Globalisierung und Neue Weltordnung


Peter Bachmaier
Mittel- und Osteuropa in der neuen Weltordnung
Informations- und Diskussionsabend „Ungarn versus Globalisierung“
Initiative Heimat und Umwelt, Kolpinghaus, 6. März 2012

Globalisierung und Neue Weltordnung

Die Globalisierung im heutigen Sinn begann mit der Liberalisierung des Welthandels und mit der Einführung des Neoliberalismus durch die USA und Großbritannien. Sie hängt mit dem Begriff „Neue Weltordnung“ eng zusammen, den Präsident Bush im September 1990 nach dem Zusammenbruch des Ostblocks in einer Rede vor dem amerikanischen Kongress prägte, und Bush fügte erklärend hinzu: eine „neue Weltordnung unter der Führung der USA“. Das ist das internationale System, das wir bis heute haben.
Der Umsturz 1989 mit Hilfe des Westens
Die wesentliche Veränderung in der Neuen Weltordnung war die Expansion des Westens nach Mittel- und Osteuropa, das bis 1989 zum Herrschaftsbereich der Sowjetunion gehörte, aber Gorbatschow „verzichtete“ am 2. Dezember 1989 in der Konferenz von Malta mit Präsident Bush auf diese Länder und deshalb sind sie heute ebenfalls ein Teil des westlichen Imperiums. Der Zusammenbruch des Ostblocks und der Umsturz im Jahr 1989 waren auf die innere Schwäche des Systems zurückzuführen, aber auch auf den „westlichen Faktor“, vor allem auf die Offensive der USA unter Reagan. Die Revolution wäre in den meisten mittel- und osteuropäischen Ländern ohne den amerikanischen Einfluß nicht zustande gekommen. Die Charta 77 in der Tschechoslowakei und die Solidarność in Polen hätten ohne die Unterstützung Amerikas nicht überleben können.
[Eine entscheidende Rolle spielte bei diesem Sieg der westliche kulturelle Einfluß, was man heute „soft power“ nennt, vor allem der Einfluß der amerikanischen Popkultur, die teilweise völlig legal über Rundfunk, Fernsehen, Hollywoodfilme und Kulturaustausch eindrang und die „westlichen Werte“ verbreitete. Das war aber nicht die klassische europäische Kultur sondern: Liberalismus, Individualismus und Materialismus.]
Die Neue Weltordnung in Mittel- und Osteuropa nach 1989
Die Neue Weltordnung, die nach der Wende in Mittel- und Osteuropa eingeführt wurde, bedeutete die Einführung des neoliberalen Modells, die Diktatur des Geldes, die folgende Merkmale hat: völlige Liberalisierung der Wirtschaft, Auflösung des Staatseigentums und Privatisierung, Abbau des Staates und Deregulierung, die Unterstellung des Landes unter die Kontrolle des ausländischen Kapitals und schließlich die politische Eingliederung in das westliche System, in die EU, die NATO, in die Welthandelsorganisation WTO. Die Reform wurde vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank kontrolliert und an politische Bedingungen geknüpft.
Vorherrschaft der USA
Die geistigen Grundlagen und Ziele der Neuen Weltordnung nach 1989 wurden vom „Council on Foreign Relations“ ausgearbeitet, das sind Dokumente wie das „Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert“, das 1997 unter der Leitung von William Kristol und Richard Perle ausgearbeitet wurde, um das Ende des „Zeitalters des Westfälischen Friedens“ und des Völkerrechts zu begründen. Im Jahr 2001 kündigte Präsident Bush auf Empfehlung dieser Projektgruppe den ABM-Vertrag mit Rußland, der eine Begrenzung der Raketenabwehrsysteme vorsah. Einer der Architekten der neuen Ordnung war auch Zbigniew Brzezinski, der in seinem ebenfalls 1997 erschienen Buch „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ (Originaltitel: „The Grand Chessboard“, 1997), die Aufteilung Rußlands forderte oder Die Nationale Sicherheitsstrategie der USA 2002 und die vom CFR 2008 publizierte „Vision 2015“.
Das Ergebnis war aber nicht die Entstehung einer produktiven, schöpferischen Mittelklasse als Rückgrat der neuen Gesellschaft, sondern einer „abhängigen ausländischen Elite“ (Brzezinski), einer Klasse von nouveaux riches, die unter der Kontrolle des IWF stehen. Ihre Kinder studieren heute an Eliteuniversitäten in England und Amerika, um von dort mit einem „neuen Bewußtsein“ wieder zurückzukehren.
Die EU – ein amerikanisches Projekt
Eine Säule der neuen Ordnung ist die Europäische Union, die ursprünglich ebenfalls ein amerikanisches Projekt war, ausgearbeitet von Jean Monnet, der in Wirklichkeit ein amerikanischer Bankier und ein Lobbyist der Wallstreet war. Der Plan sah die Vereinigte Staaten von Europa unter amerikanischer Führung und die Auflösung der Nationalstaaten vor. In den Verträgen von Maastricht 1992, Kopenhagen 1997 und Lissabon 2007 festgelegten Bestimmungen festgelegt: im wesentlichen der Neoliberalismus mit den vier Freiheiten und Auflösung der Nationalstaaten. Die Entscheidungen werden nicht vom Europäischen Parlament getroffen, sondern von der EU-Kommission, also einem nicht gewählten Beamtenapparat. Das Ziel ist nach wie vor ein zentralisierter Superstaat mit einheitlicher Verfassung, die in Lissabon beschlossen wurde, und einer Wirtschaftsregierung.
Mittel- und Osteuropa wurden durch die NATO und die EU in das westliche System eingegliedert. Die Ost-Erweiterung wurde durch die EU-Programme PHARE, Tempus und vor allem durch die Beitrittsverträge zur EU von 2004 und 2007 zustande gebracht, und heute gibt es die „Östliche Partnerschaft“ für Länder außerhalb der EU.
Der Wertewandel: Erziehung für die „offene Gesellschaft“
Die Neue Weltordnung will auch eine neue Kultur schaffen, die das traditionelle Wertesystem mit seiner Betonung der nationalen Ideale, der Geschichte, der Religion und der Familie ersetzt: sie setzt sich zum Ziel, eine liberale, säkulare und multikulturelle Gesellschaft durchzusetzen. Der amerikanische Politologe Joseph Nye prägte dafür 2005 den Begriff „Soft Power“. Sein Buch hat den Untertitel „The Means to Success to World Politics“. Die EU hat ihre Werte in der Charta der Grundrechte von 2000 niedergelegt, die seit 2007 von der Agentur der EU für Grundrechte mit Sitz in Wien überwacht wird. Die Agentur widmet sich vor allem der Überwachung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und der Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts, der Religion und der sexuellen Ausrichtung. Kultur ist längst nicht mehr Sache der Nationalstaaten, es gibt dafür eine Generaldirektion der EU-Kommission für Kultur, Medien und Bildungswesen, die die Fünfjahresprogramme für Kultur und das Programm „Fernsehen ohne Grenzen“ verwaltet.
Der Einfluß westlicher Konzerne auf die Medien
Die Medien in Mittel- und Osteuropa sind faktisch von westlichen Medienkonzernen gesteuert: von der News Corporation von Rupert Murdoch, von der Bertelsmann AG (der in Polen die größte Tageszeitung Gazeta Wyborcza und das größte Boulevardblatt Fakt gehört), vom Springer-Konzern (dem die prestigeträchtigste Tageszeitung Polens Rzeczpospolita gehört), der WAZ-Gruppe, dem Schweizer Medienkonzern Ringier und vom österreichischen Styria Verlag, der in Südosteuropa aktiv ist. Die westlichen Medienhäuser sind in erster Linie marktorientiert und haben einen Journalismus durchgesetzt, der wenig mit Information aber viel mit bildlastiger Sensation zu tun hat. Auch das Bildungswesen wird durch die PISA-Studien und den Bologna-Prozeß gesteuert, die das Ziel haben, das Bildungswesen im Sinne einer Ausbildung für den Markt zu vereinheitlichen.
Die multikulturelle Gesellschaft
Die multikulturelle Gesellschaft wird u.a. durch die Rahmenkonvention für den Schutz der nationalen Minderheiten 1995 festgelegt, die eine Aufwertung der Minderheiten und faktisch ihre Gleichstellung mit der Mehrheitsbevölkerung vorsieht. Ein Beispiel dafür ist die Albanische Universität Tetovo in Makedonien, die Albanisch als Unterrichtssprache hat und Hochschulabsolventen produziert, die in einem Staat mit einer slawisch-orthodoxen Bevölkerung ihr Studium auf Albanisch abgeschlossen haben. Das ist das Programm der Sezession, die genauso kommen wird wie in Kosovo, wo es auch so begonnen hat, als die Albaner nur mehr albanische Schulen besucht und nicht mehr Serbisch gelernt haben.
Die Rolle der NGOs
Eine große Rolle in diesem kulturellen Wandel spielen nichtstaatliche Organisationen (NGOs), auch der „dritte Sektor“ genannt, wie die „Offene Gesellschaft“ von Soros (eine Hauptagentur der Globalisierung, die in allen mittel- und osteuropäischen Ländern Institute eröffnete, in Budapest bereits 1984), die für eine von nationalen Traditionen losgelöste globalisierte Gesellschaft eintritt, amerikanische Stiftungen wie das National Endowment for Democracy, die Europäische Kulturstiftung in Amsterdam u.v.a. Der Westen errichtete private Eliteinstitute wie die Mitteleuropäische Universität in Budapest, die Neue Schule für Sozialforschung in Warschau, die Amerikanische Universität in Blagoevgrad bei Sofia in Bulgarien, die eine neue Elite heranbilden sollten. Eine Besonderheit des neuen Bildungswesens ist die Errichtung von privaten Schulen und Universitäten. In Polen gibt es heute etwa 200 private Hochschulen, meist Wirtschaftshochschulen, die Studiengebühren einheben und ihren Studenten dafür ein Diplom garantieren.
Die Rolle Österreich
Österreich hatte seit jeher enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu Mittel- und Osteuropa, aber es wurde auch als Brückenkopf des Westens benutzt. Nach 1989 spielte die Expansion der österreichischen Banken (Raiffeisen) nach Osten eine große Rolle. Österreich hat von der EU die Aufgabe erhalten, die moderne westliche Kultur über die Organisation „Kulturkontakt“ in diesen Ländern zu verbreiten.
Österreich spielt auch eine Rolle in der Informationspolitik: Das offizielle Österreich unterhält ausschließlich Beziehungen zu den prowestlichen Massenmedien der mittel- und osteuropäischen Länder. Es gibt daher keine unabhängige Information Auch an den Instituten wie IDM. IWM, Diplomatische Akademie etc. werden immer nur Personen eingeladen, die einen politisch korrekten Standpunkt vertreten. Ein antiglobalistischer oder EU-kritischer Standpunkt ist nicht vorgesehen, z.B. wurde Richard Sulik, obwohl er Parlamentspräsident war, nie nach Österreich eingeladen. Es wird der Eindruck erweckt, daß die öffentliche Meinung dieser Länder ausschließlich für die EU und für Amerika ist.
Orangene Revolutionen
In Wirklichkeit ging die Ost-Erweiterung aber nicht überall so glatt vor sich. Dort wo es nicht funktioniert hat, wurden orangene Revolutionen in Gang gesetzt wie in Serbien 2000 (wo man sich der Organisation Otpor bedient hat), in Georgien 2003, in der Ukraine 2004, in Weißrußland 2006. Dort hat die Revolution allerdings nicht gesiegt, und deshalb hat Obama im Dezember 2011 neue Sanktionen gegen das Land verhängt, und die EU hat sich angeschlossen.
Fortgesetzter Widerstand gegen die EU-Politik
Die Menschen waren 1989 gegen die Diktatur der Nomenklatura und für Europa, aber haben heute ihre Illusionen verloren und wollen nationale Unabhängigkeit, sie sind gegen den Brüsseler Zentralismus. Sie sind vom Regen in die Traufe gekommen. Mittel- und Osteuropa ist heute die verlängerte Werkbank des Westens.

Es gibt einen verstärkten Widerstand gegen die Politik der EU, vor allem gegen die zunehmende Zentralisierung. In der Euro-Krise gab es Widerstand gegen den Rettungsschirm und die Fiskalunion in der Slowakei (Parlament unter dem Vorsitz des Parlamentspräsidenten Sulik lehnte Oktober 2011 den Rettungsschirm ab), in Tschechien, das die Fiskalunion nicht unterzeichnet hat, in Ungarn unter Orbán, in Slowenien lehnte die konservative Oppositionspartei von Janez Janša den Rettungsschirm ab, und starke Widerstandsbewegungen gibt es auch in Serbien, wo die Serbische Radikale Partei, die größte Partei des Landes, am 29. Februar eine große Protestkundgebung gegen den EU-Beitritt abhielt, in Polen, wo die Partei „Recht und Gerechtigkeit“ einen EU-kritischen Standpunkt vertritt, und in den baltischen Ländern. Auch in Kroatien war die EU-kritische Stimmung so stark, daß eine Mehrheit bei der Volksabstimmung nur dadurch zustande kam, daß die Hälfte der Wähler zu Hause blieb.

[In den letzteren dominieren schwedische Banken, die aber ihrerseits wieder mit dem IWF zusammenhängen. Die Schocktherapie, d.h. das neoliberale Experiment kommt in den baltischen Ländern langsam zu einem Ende, denn das BIP geht zurück und die Arbeitslosigkeit liegt bei 15 %, und in Lettland ist die größte Partei wieder die russische Partei, die man allerdings nicht regieren läßt. Die Regierungen der drei Länder setzen alles auf den Beitritt zum Euro, von dem sie sich die Heilung aller Probleme erwarten.]

Eurobarometer-Umfrage über Beurteilung der Wirtschaft

Nach der Eurobarometer-Umfrage, die die Stimmungslage der Bevölkerung in den einzelnen Ländern erhebt, hatten 2008 Tschechien, Ungarn, Lettland und Estland weniger als 50 % Zustimmung zur EU, und auch Polen, die Slowakei und Litauen hatten nur wenig Zustimmung über 50 %, und die Stimmung hat sich seither bestimmt nicht verbessert.1
In der letzten Eurobarometer-Umfrage vom Dezember 2011 wurde die Zustimmung zur EU nicht mehr erhoben, aber auf die Frage „Wie beurteilen Sie die Lage der Wirtschaft Ihres Landes?“ antworteten in allen zehn östlichen Mitgliedsländern der EU zwischen 60 und 90 % der Befragten mit „schlecht“ und auf die Frage „Glauben Sie, daß auf dem Arbeitsmarkt das Schlimmste erst kommt?“ ebenso viele mit „ja“.2
Die Arbeitslosigkeit liegt mit Ausnahme von Tschechien und Slowenien in allen östlichen EU-Ländern zwischen 10% und 15 %.3

Alternative: nationaler Widerstand
Die Alternative ist deshalb das Festhalten am Nationalstaat, ein Widerstand gegen die Globalisierung und eine Zusammenarbeit mit Rußland und anderen osteuropäischen Ländern. Österreich, das über eine lange Tradition von Beziehungen mit den mittel- und osteuropäischen Ländern verfügt, sollte als neutraler Staat sollte ebenfalls ein Bündnis mit diesen Ländern als Gegengewicht zum Westen aufbauen.




1 Die Presse, 26.06.2008.

2 Eurobarometer, Dezember 2011.

3 Eurostat, 01.03.2012.


19.04.12

AUFRUF VON MIKIS THEODORAKIS







«In Wahrheit fliesst jedes Paket mit den Dutzenden Milliarden Euro, mit denen Griechenland belastet wird, vollständig dahin zurück, wo es herkommt, während uns neue untragbare Zinsen aufgebürdet werden. Und weil die Notwendigkeit zur Erhaltung des Staates, der Krankenhäuser und der Schulen besteht, lädt die Troika den mittleren und untersten wirtschaftlichen Schichten der Gesellschaft überdimensionale Steuern auf, die direkt in den Hunger führen. Eine allgemeine Hungersituation hatten wir zu Beginn der deutschen Besatzung 1941 mit 300 000 Toten in einem Zeitraum von sechs Monaten. Das damalige Schreckgespenst des Hungers kehrt in unser verleumdetes und unglückliches Land zurück.»

Für eine Neuausrichtung Griechenlands

Der Pflicht gegenüber den Idealen der Freiheit und des Rechts nachkommen

von Mikis Theodorakis
 
zf. Mikis Theodorakis, der grosse griechische Komponist und Friedenskämpfer, geht die Situation seiner Heimat aus einer eigenen, inneren Position an. Die Erfahrung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg und die Erfahrung der Militärdiktatur haben den Blick geschärft und lassen ihn unterscheiden zwischen EU-Propaganda und realen Kausalverknüpfungen.
Bis 2009 gab es kein ernsthaftes wirtschaftliches Problem. Die grossen Wunden unserer Wirtschaft waren die übertriebenen Aufwendungen für den Kauf von Kriegsmaterial und die Korruption. Für beide dieser Wunden waren jedoch auch Ausländer mitverantwortlich. Deutsche, Franzosen, Engländer und Amerikaner etwa, die aus dem jährlichen Verkauf von Kriegsmaterial Milliarden Euro zu Lasten unseres nationalen Reichtums verdienten. Oder die deutsche Siemens, die eine spezielle Abteilung zur Bestechung griechischer Funktionäre unterhielt, um ihre Produkte auf dem griechischen Markt plazieren zu können.
Beides hätte vermieden werden können. Aber um den Abfluss des Reichtums (welcher Produkt der Arbeit des griechischen Volkes war) in die Kassen der fremden Länder zu vertuschen, suchten die korrupten Elemente in den beiden proamerikanischen Machtparteien in der überdimensionalen Verschuldung Zuflucht. Mit dem Ergebnis, dass die Staatsverschuldung 300 Milliarden Euro, also 130% des Bruttoinlandprodukts erreicht hat.
Damit verdienten die vorstehend angeführten Ausländer doppelt. Erstens an dem Verkauf ihrer Waffen und ihrer Produkte. Und zweitens an den Zinsen der Gelder, welche sie den Regierungen und nicht dem Volk geliehen hatten. Die Zinsen für den Kredit von 1 Milliarde Dollar, den Andreas Papandreou 1986 von einem grossen europäischen Land aufnahm, erreichten 54 Milliarden Euro und wurden schliesslich 2010 abbezahlt!

2008 – die grosse Wirtschaftskrise in Europa

2008 gab es die grosse Wirtschaftskrise in Europa. Es war zu erwarten, dass auch die griechische Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Lebensstandard, der hoch genug war, um unter den 30 reichsten Ländern der Welt eingeordnet zu werden, blieb allerdings grundsätzlich derselbe. Hingegen gab es einen Anstieg der Staatsverschuldung. Diese führt jedoch nicht zwangsweise zu einer Wirtschaftskrise. Die Schulden grosser Länder, wie beispielsweise der USA und Deutschlands, belaufen sich auf Billionen Euro. Die Frage ist, ob wirtschaftliche Entwicklung und Produktion existieren. Dann kann man bei den grossen Banken Kredite mit einem Zinssatz von bis zu 5% aufnehmen, bis die Krise vorüber ist.
In genau dieser Situation befanden wir uns 2009, als im November der Regierungswechsel stattfand und Georgios Papandreou das Amt des Premierministers übernahm. Herr Papandreou hätte der Wirtschaftskrise (die wie gesagt die europäische reflektierte) mit Krediten von ausländischen Banken und zu dem üblichen Zinssatz von unter 5% begegnen können. Hätte er dies getan, hätte es für unser Land nicht das kleinste Problem gegeben. Es hätte sogar das Gegenteil stattgefunden, weil wir uns in einer Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs befanden und somit unser Lebensstandard sicherlich gestiegen wäre.
Herr Papandreou hatte jedoch seine Verschwörung gegen das griechische Volk bereits ab Sommer 2009 begonnen, als er sich heimlich mit Strauss Kahn mit dem Ziel traf, Griechenland unter die Hegemonie des IWF zu führen. Die Information über dieses Treffen wurde von dem ehemaligen Präsidenten des IWF selbst an die Öffentlichkeit gebracht.
Damit wir jedoch dort hingelangen, muss­te die tatsächliche wirtschaftliche Lage in unserem Land verfälscht werden, damit die ausländischen Banken Angst bekommen und die Kreditzinsen auf unerschwingliche Zahlen hochschrauben.
Es folgte eine fünf Monate dauernde systematische Kampagne des Herrn Papandreou und seines Finanzministers in Europa, bei der sie das Ausland davon zu überzeugen versuchten, Griechenland sei eine vor dem Untergang stehende Titanic. Bei jeder ihrer Erklärungen stiegen die Zinssätze, damit wir keine Kredite mehr aufnehmen konnten und unsere Unterstellung unter den IWF und die Europäische Bank als Rettung erscheinen musste. In Wirklichkeit bedeutete sie den Beginn unseres Sterbens.

Eine einzige Unterschrift

Obwohl das griechische Recht für bedeutende Vereinbarungen die Zustimmung durch drei Fünftel des Parlaments verlangt, besiegelte im Mai 2010 eine einzige Unterschrift eines Ministers unter das berüchtigte Moratorium die vollständige Unterwerfung unter unsere Gläubiger. Das Moratorium und die Troika, die uns heute praktisch regieren, agieren also substantiell nicht nur nach dem griechischen, sondern auch nach dem europäischen Recht illegal.
Mit diesem Moratorium haben wir unsere nationale Eigenständigkeit und unser Staatsvermögen an die Ausländer abgetreten. Also Häfen, Flughäfen, Strassennetze, Elektrizität, Wasserversorgung, den unterirdischen und unter dem Meer befindlichen Reichtum etc., etc. Sogar unsere historischen Monumente wie die Akropolis, Delphi, Olympia, Epidaurus usw., da wir auf jegliche Vorbehalte verzichtet haben.
Die Produktion kam zum Erliegen, die Arbeitslosigkeit stieg auf 18%, es schlossen 80 000 Geschäfte, Tausende Manufakturen und Hunderte Industriebetriebe. Insgesamt haben 432 000 Unternehmen dichtgemacht.
Zehntausende junge Wissenschaftler verlassen das Land, das jeden Tag tiefer in mittelalterliche Finsternis absinkt. Tausende ehemals gutsituierte Bürger durchsuchen den Müll und schlafen auf dem Bürgersteig.
Derweilen wird angenommen, dass wir dank der Grossmut unserer Gläubiger, des Europas der Banken und des IWF, leben. In Wahrheit fliesst jedes Paket mit den Dutzenden Milliarden Euro, mit denen Griechenland belastet wird, vollständig dahin zurück, wo es herkommt, während uns neue untragbare Zinsen aufgebürdet werden. Und weil die Notwendigkeit zur Erhaltung des Staates, der Krankenhäuser und der Schulen besteht, lädt die Troika den mittleren und untersten wirtschaftlichen Schichten der Gesellschaft überdimensionale Steuern auf, die direkt in den Hunger führen. Eine allgemeine Hungersituation hatten wir zu Beginn der deutschen Besatzung 1941 mit 300 000 Toten in einem Zeitraum von 6 Monaten. Das damalige Schreckgespenst des Hungers kehrt in unser verleumdetes und unglückliches Land zurück.
Wenn man bedenkt, dass die deutsche Besatzung uns 1 Million Tote und die totale Zerstörung unseres Landes kostete, wie ist es dann möglich, dass wir Griechen die Drohungen der Frau Merkel und die Absicht der Deutschen dulden, uns einen neuen Gauleiter aufzuzwingen? … Diesmal mit Krawatte …
Und um zu belegen, ein wie reiches Land Griechenland ist und welch arbeitsames und bewusstes Volk die Griechen sind (Bewusstsein über die Pflicht gegenüber der Freiheit und die Liebe zum Vaterland), verweise ich auf die Epoche der deutschen Besatzung ab 1941 bis Oktober 1944.
 Als die SS und der Hunger 1 Million Bürger umbrachten und die Wehrmacht systematisch das Land zerstörte, die landwirtschaftliche Produktion und das Gold der Banken stahl, retteten die Griechen mit der Schaffung einer Bewegung der nationalen Solidarität das Volk vor dem Hunger und bildeten ein 100 000 Mann starkes Partisanenheer, welches 20 deutsche Divisionen in unserem Land aufhielt.
Gleichzeitig wussten die Griechen dank ihres Fleisses nicht nur zu überleben, sondern es gab inmitten der Besatzungsverhältnisse auch eine grosse Entwicklung der neugriechischen Kunst, speziell auf den Gebieten der Literatur und der Musik. Griechenland wählte den Weg der Selbstaufopferung für die Freiheit und gleichzeitig des Überlebens.
Auch damals schlugen sie grundlos auf uns ein, und wir antworteten mit Solidarität und Widerstand und überlebten. Dasselbe tun wir auch heute in der Gewissheit, dass der endgültige Sieger das griechische Volk sein wird.
Sie drohen, uns aus Europa hinauszuwerfen. Wenn Europa uns einmal nicht will, wollen wir dieses Europa von Merkel und Sarkozy zehnmal nicht.
Heute Sonntag, 12. Februar, nehme ich zusammen mit Manolis Glezos an einer Kundgebung teil. Mit jenem Helden also, der das Hakenkreuz von der Akropolis heruntergeholt hatte und damit das Fanal für den Beginn nicht nur des griechischen, sondern auch des europäischen Widerstandes gegen Hitler setzte. Hunderttausende werden unsere Strassen und Plätze überfluten und ihrem Zorn gegen die Regierung und die Troika Ausdruck geben.

Zusammenarbeit mit Russland anstreben

In diesem Moment setze ich alle meine Kräfte dafür ein, das griechische Volk dynamisch zu vereinen. Ich versuche die Menschen davon zu überzeugen, dass Troika und IWF keine Einbahnstrasse bedeuten. Dass es eine andere Lösung gibt. Und dass diese Lösung darin besteht, den Kurs unserer Nation radikal zu ändern und uns Russland zuzuwenden, mit Russland die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu suchen, Joint Ventures zu bilden und den natürlichen Reichtum unseres Landes zu Bedingungen zu nutzen, die unsere nationalen Interessen berücksichtigen.
Was Europa anbelangt, so schlage ich vor, den Kauf von Kriegsmaterial aus Deutschland und Frankreich zu stoppen. Und alles in unserer Macht Stehende zu unternehmen, damit Deutschland die uns geschuldeten Kriegsentschädigungen bezahlt, die sich heute – mit angemessenen Zinsen – auf 500 Milliarden Euro belaufen dürften.
Die einzige Kraft, die diese revolutionären Änderungen vorantreiben kann, ist das griechische Volk selbst: Vereint in einer mächtigen Front des Widerstands und der Solidarität, welche die Troika aus IWF und europäischen Banken aus unserem Land verjagt und deren rechtswidrige Handlungen (Kredite, Schulden, Zinsen, Steuern, Aufkäufe des Staatsreichtums) rückgängig macht. Die griechischen Kollaborateure, die im Bewusstsein unseres Volkes längst als Verräter verurteilt worden sind, werden zu bestrafen sein.
Diesem Ziel der Einheit des Volkes in einer Front bin ich gänzlich verschrieben und glaube, dass ich schliesslich Recht erhalten werde. Ich kämpfte mit der Waffe in der Hand gegen die Hitler-Besatzung. Ich lernte die Verliesse der Gestapo kennen. Ich wurde von den Deutschen zum Tode verurteilt und überlebte wie durch ein Wunder. 1967 gründete ich die PAM, die erste Widerstandsorganisation gegen die Militärjunta. Ich kämpfte in der Illegalität. Ich wurde ergriffen und im «Schlachthof» der Junta-Kripo inhaftiert. Schliesslich habe ich wieder überlebt.
Heute bin ich 87 Jahre alt und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich die Rettung meines geliebten Vaterlandes nicht erleben werde. Ich werde jedoch mit einem ruhigen Gewissen sterben, weil ich bis zum Ende fortfahre, meiner Pflicht gegenüber den Idealen der Freiheit und des Rechts nachzukommen.     •
(Aus: Unsere Welt, 8. April 2012. Quelle: Tlaxcala. Auszüge aus dem Brief, den Mikis Theodorakis am 12. Februar 2012 in Athen verfasst hat.)

Griechenland: «Damit das nie wieder passiert.»

Ein Film für unsere heranwachsende Jugend und für uns Erwachsene auch

thk. Am 10. Juni 1944 schlachtete während einer sogenannten «Sühnemassnahme» eine deutsche SS-Division innert zweier Stunden 218 Bewohner des griechischen Dorfes Distomo ab. Wahllos wurden die unschuldigen Menschen getötet, Säuglinge, Kinder, Frauen, Männer, Greise, alle die zu diesem Zeitpunkt im Dorf anwesend waren. Wie durch ein Wunder überlebten der 4jährige Argyris und seine drei Schwestern dieses Massaker, während seine Eltern und 30 weitere Verwandte bei diesem Kriegsverbrechen der Deutschen ermordet wurden.
Zunächst kommt Argyris in ein Waisenhaus nach Athen, bevor er die Reise in die Schweiz antritt, um sich im Pestalozzi Kinderdorf in Trogen von den traumatischen Ereignissen erholen zu können. Das Kinderdorf, dem er Zeit seines Lebens verbunden blieb, verliess er nach bestandener Matur. Danach studierte er an der ETH in Zürich und war jahrelang als doktorierter Mathematiklehrer an Zürcher Mittelschulen tätig. Später engagierte sich Argyris Sfountouris beim Schweizerischen Katastrophenhilfekorps und war als Entwicklungshelfer unter anderem in Somalia und Indonesien tätig.
Sein ganzes Leben hat er dem Engagement für den Frieden und der Aussöhnung unter den Völkern verschrieben: «Damit das nie wieder passiert.»
Im Jahre 1994, zum 50sten Jahrestag des Massakers, organisierte er eine Gedenkveranstaltung in Delphi, die er dem Thema Krieg und Frieden widmete. Es nahmen Referenten aus der Schweiz, aus Deutschland und Griechenland daran teil. Ein offizieller Vertreter Deutschlands war nicht anwesend. Bis heute kämpft Argyris Sfountouris für die Anerkennung des Massakers als Kriegsverbrechen und für eine Entschädigung für die Hinterbliebenen. Bis dato weigert sich das offizielle Deutschland, dieses Kriegsverbrechen anzuerkennen, und rechtfertigte es als «Massnahme im Rahmen der Kriegsführung». Die Klage ist nun am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hängig.
Der Regisseur Stefan Haupt hat in seinem Film «Ein Lied für Argyris» genau diese Lebensgeschichte nachgezeichnet und die gesamte Problematik von Trauer, Empörung, Versöhnung und Gerechtigkeit, die sich dahinter verbirgt, dargelegt. Viele Zeitzeugen kommen darin zu Wort, unter anderem auch Mikis Theodorakis. Schonungslos deckt der Film die Verbrechen der deutschen Wehrmacht und der SS an der Zivilbevölkerung sowie die unmenschliche Haltung des offiziellen Deutschlands auf. Wer im Unterricht die Frage von Krieg und Frieden behandelt und welches Elend Krieg bei den Menschen hinterlässt, kommt an diesem Film nicht vorbei. Neben der persönlichen Geschichte von Argyris Sfountouris werden grundlegende Fragen nach dem friedlichen Zusammenleben der Völker aufgeworfen. Er ist ein historisch fundierter Aufruf an unsere Jugend und die Lehrer, die sie unterrichten, sich für die Aufgabe zu rüsten, ihre Lebenskraft im 21. Jahrhundert einem würdigeren Zusammenleben zu widmen.
Zu beziehen über die Fontana Film GmbH.
E-Mail: info(at)fontanafilm.ch

Quelle: Zeit-Fragen

07.04.12

«De Gaulle hatte mit seinem ‹Europe des Patries› recht»

ro. Frédéric Walthard war von 1944 bis 1971 als Jurist und Diplomat «Unterwegs für die Schweiz». So heisst der Titel des zweiten Bandes seiner Erinnerungen, die er in insgesamt drei Bänden im Verlag Zeit-Fragen publiziert hat. Der Band 2 enthält eine wahre Fülle von Hinweisen, wie sich in der beschriebenen Zeitspanne die europäische Politik entwickelte. Walthard war eher ein stiller Schaffer, der aber im Hintergrund stets hartnäckig und konsequent den Weg der Schweiz mitgestaltet hat. Dieser Einsatz war immens, und er diente «zur Wahrung der eigenständigen schweizerischen Demokratie gegen den im Entstehen begriffenen antidemokratischen supranationalen Machtblock der Europäischen Union», wie er selbst schreibt.
Im folgenden sollen Auszüge aus den «Erinnerungen» Walthards die Gründungsgeschichte der Europäischen Freihandels­assoziation (EFTA) beleuchten. Bundesrat Hans Schaffner wird zu Recht als «Vater der EFTA» bezeichnet, aber Walthard hat zusammen mit anderen dieses Werk überhaupt möglich gemacht. Diese Arbeit ist ebenfalls zu würdigen und es ist zu hoffen, dass heute Diplomaten von seinem Schlag mit dieser Überzeugung und mit diesem Engagement den Weg der Schweiz und der EFTA weiter verfolgen und dafür sorgen, dass ein freies Europa der Vaterländer Realität wird.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten europäische Staaten eine grosse Freihandelszone, um Frieden und Freiheit zu sichern, die «Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit» (OEEC). Nach Walthard wäre dies eine «ideale Lösung» gewesen.

«Die ideale Lösung»

«Eigentlich fast alle bei der OEEC waren von den Maudling-Verhandlungen für eine grosse Freihandelszone begeistert: die ideale Möglichkeit, von Anfang an die europäische Wirtschaftsintegration, später vielleicht eine weitergehende Einigung Europas, im grösseren Rahmen und auf dem Fusse der vollständigen Gleichberechtigung der kleinen und grossen Mitgliedstaaten in Angriff zu nehmen. Natürlich war diese Einigung viel schwieriger zu erzielen, aber sie schloss grundsätzlich keine Mehrheitsbeschlüsse aus, solange diese ebenfalls auf der Basis der Gleichwertigkeit der Stimmen der Mitgliedstaaten erfolgten. Im Gegensatz zum Vorschlag Maudlings wurde von den Vertretern der Sechsergemeinschaft, die wir unter uns «La Bande à Six» nannten, der Weg der Supranationalität propagiert. Die besonders von Monnet/Schumann ausgekochte, von Spaak verteidigte Lösung der sukzessiven Abtretung von Souveränitätsrechten an ein übergeordnetes Organ bis zum Zeitpunkt, in welchem die wesentliche Substanz der Souveränität der einzelnen Mitgliedstaaten vom supranationalen Organ absorbiert sein würde.
Diese Idee hatte einen grundlegenden Fehler. Sie ging von der Teilbarkeit der Souveränität als der obersten Willensbildung und Entscheidungsfähigkeit eines Landes aus. Alle Staatsrechtler und Völkerrechtler sind sich auch heute noch einig, dass die oberste Willensbildung und Entscheidung unteilbar ist. Wenn dem nicht so wäre, dann hätte man heute, nach über 50 Jahren Bemühungen, nicht die Probleme, denen die nunmehr von Giscard d’Estaing ausgebrütete Europäische Verfassung begegnet. Mit allen ihren Finten und Tricks, wie dem komplizierten System der Subsidiarität und der Stimm­gewichtung bei der obersten Entscheidung, bleibt die oberste Willensbildung letztlich bei einigen wenigen Staaten konzentriert. Die Einigung Europas sukzessive nach zwei verschiedenartigen Rhythmen verwirklichen zu können, wird entweder eine Illusion bleiben oder macht letztlich aus der Europäischen Union nichts anderes als einen Einheitsstaat: Ein undemokratisches, von oben nach unten aufgebautes Gebilde, das von einem der Mitgliedstaaten, einer Gruppe von ihnen oder dann einer ganz neuen, von den Mitgliedstaaten unabhängigen, gewissermassen über ihnen stehenden Machtgruppierung beherrscht wird.» (Frédéric Walthard, Erinnerungen 1944–1971. Band 2 – Unterwegs für die Schweiz, S. 131f.)

Die Gründung der EFTA

Ab 1960 amtete Frédéric Walthard in Genf, wo er als Stellvertretender Delegationschef bei der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) mithalf, den Grundstein für diese Organisation zu legen. Wieso war dies dringend geboten? Parallel zur OEEC hatte mit US-amerikanischer Unterstützung der Franzose Robert Schumann – und mehr im Hintergrund Jean Monnet – den Anstoss zur Gründung der Montanunion als Grundstein der heutigen ­Europäischen Union (EU) gegeben. Walthard unterstützte von seinen diversen Posten aus die offizielle Schweiz in ihren Stellungnahmen gegen diese supranationale Lösung. Die Schweiz strebte mit anderen Ländern vielmehr – ausgehend von der OEEC – eine grosse Freihandelszone an. Eine solche wäre auf der Unabhängigkeit und Souveränität von gleichberechtigten Nationalstaaten aufgebaut gewesen. Obwohl man mit der OEEC zu guten Lösungen kam, setzte sich zunehmend die aggressivere supranationale Politik der «Sechserbande» durch. Aber die Anhänger einer Freihandelszone mit souveränen Mitgliedsländern gaben nicht auf. Fast gleichzeitig mit dem nächsten Schritt der «Sechserbande», der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), entstand die erwähnte EFTA.
Über seine Arbeit beim Ständigen EFTA-Rat schreibt Walthard:
«Unsere Hauptarbeit bestand darin, die Schweiz bei den wöchentlichen Sitzungen des Ständigen EFTA-Rats und des Rats der Stellvertretenden Delegationschefs zu vertreten. Diese Sitzungen mussten vorbereitet werden. Dazu erhielten wir aus Bern die nötigen Direktiven. Mit der Zeit handelte es sich zunehmend um die Antworten auf die von uns in Genf zusammen mit dem Generalsekretariat aufgeworfenen Fragen und Problemgruppen. Diese Fragen betrafen eigentlich alles, was es brauchte, um eine funktionierende Freihandelszone in Gang zu bringen, das hiess Abbau der Handelshemmnisse jeder Art, einschliess­lich Zöllen und Abgaben. Dabei stand das System der Ursprungszeugnisse im Mittelpunkt.
Im Gegensatz zu einer Zollunion, bei der die Waren und Dienstleistungen innerhalb der gemeinsamen Grenze bzw. Zollmauer zwischen den Mitgliedstaaten frei zirkulieren können, braucht es in einer Freihandelszone für diese freie Zirkulation Ursprungszeugnisse, um die weiterhin zwischen den Mitgliedstaaten beibehaltenen Grenzen bzw. Zollmauern passieren zu können. In der Anfangsphase verursachte das eine immense Arbeit. Es ging um die Erstellung der einzelnen Reglemente, der Vollzugsregelungen, Interpretationen, die Korrektur festgestellter Mängel, die Vereinbarung von Ausnahmen und die Schlichtung von Streitigkeiten usw.» (Band 2, S. 178f.)
In hartnäckiger Kleinarbeit wurden so Grundlagen geschaffen, die für die Entwicklung der EFTA wichtig waren. Diese Leistung für ein freies und unabhängiges Eu­ropa muss wieder ins Bewusstsein gerückt werden. Genf als Sitz des EFTA-Rates muss einmal mehr in seiner Geschichte zu einem Ausgangspunkt von Aufklärung und humanitärem Wirken werden und den Grundstein für die Verwirklichung einer «grossen europäischen Freihandelszone» im 21. Jahrhundert legen.    •
(Quelle: Zeit-Fragen)