07.10.12

Wie Österreich in die EU gelogen wurde - Teil 5

Preise explodieren in der EU und was wurde uns vor der Volksabstimmung gesagt?

Meldungen der Medien vor und nach der Volksabstimmung:
 
"EU: Preise rutschen um bis zu 70 Prozent. Nach einem EU-Beitritt kann sich jeder österreichische Vier-Personenhaushalt am Ende des Jahres rund 12.000 Schilling auf’s Sparbüchl legen."
(Standard, 8.3.94)
 
"Für die Konsumenten bedeutet dies Preissenkungen von 20 Prozent vor allem für Autos, elektrische Geräte, Bekleidung, Fotoapparate und Werkzeuge."
("Argumente für den Beitritt Österreichs zur EG", ÖVP-Flugblatt 1988)
 
"EG würde Preise um neun Prozent drücken"
(Standard über eine WIFO-Studie, 25.11.89)
 
"Die Bandbreite der Konsumentenpreise wird im Falle eines EG-Beitritts - im Vergleich zum Nichtbeitritt - um 5 bis 6 Prozent sinken."
(Kurier, 2.3.92)
 
"Alles wird billiger, vor allem landwirtschaftliche Produkte."
(Krone, 3.3.94)

    "Die Verbraucherpreise blieben 1995 mit minus 0,8 Prozent nahezu konstant."
(Standard, 11.4.96)
 
"Ikea-Möbel bis zu 91 Prozent teurer als in Deutschland."
(TT, 28.10.95)
 
"Mehl wird in Bayern um die Hälfte billiger angeboten."
(Blickpunkt über eine AK-Tirol-Einkaufsstudie, 24.1.96)
 
"Benetton-Jeans und -T-Shirts sind in Österreich um rund 30 Prozent teurer als in Italien."
(Studie der AK Wien, TT, 18.2.95)
 
"Babynahrung ist teurer als bei EU-Nachbarn. Für eine Familie mit einem Baby ergeben sich laut AK Mehrkosten von 150 S gegenüber dem EU-Nachbarn Deutschland."
(TT, 21.1.95)
 
"Reisen in Länder der Europäischen Gemeinschaft werden um 2 Prozent teurer."
(TT, 21.1.95)
 
"Durch den EU-Beitritt wird Reisen nicht etwa billiger, sondern voraussichtlich teurer. Die Preise werden um rund sieben Prozent steigen."
(Kurier, 3.11.94)
 
"Bei Reisen droht in der EU sieben Prozent Teuerung"
(TT, 13.7.94)
"Lebensmittel werden insgesamt nicht billiger."
(Presse vom 14.1.95 lt. Auskunft des WIFO)
"Obst und Gemüse auch bei EU-Beitritt nicht billiger"
(Kurier, 30.7.94)
"Unterhaltungselektronik dürfte auch nach dem EU-Beitritt nicht billiger werden.
(TT, 12.10.94)
"Kaffeegenuß wird mit EU-Beitritt teurer."
(TT, 13.12.94)
"Drogeriewaren liegen in Kärnten noch um 27,8 Prozent über dem italienischen Niveau."
(AK-Kärnten-Studie, Standard, 24.6.95)
"Zwischen 20 und 77 Prozent betragen die Preisunterschiede bei Medikamenten zwischen Italien und Österreich."
(AK-Kärnten-Studie, SN, 10.2.96)
"Einzelne Elektrogeräte kosten in Wien um bis zu 36 Prozent mehr als in Berlin."
(AK-Wien-Studie, Kurier, 10.8.95)
"Österreich bei Autopreisen EU-Spitzenreiter"
(Standard, 25.7.95)
"Autopreise werden in EU mangels Wettbewerb nicht sinken"
(Konsumentenschützer F. Koppe, TT, 28.7.94)
"EU-Beitritt bringt keinesfalls eine Preissenkung"
(Kurier, 27.7.94)
"Fernseher werden teurer"
(TT, 28.12.94)
"Trotz EU: Wein und Bier werden 1996 teurer"
(TT, 13.12.95)
 
 
 
Einmal Preisrutsch und retour
Nachdem die Volksabstimmungs-Propaganda das Feld so großartig aufbereitet hat, brauchen die Handelskonzerne nur noch die Ernte einzuholen. Doch offenbar bedürfte es gar keiner EU-Mitgliedschaft, denn bereits 1992 gibt es "Die Spar-Markenprodukte: schon jetzt zu EG-Preisen!" (Annonce in der Kronenzeitung, 2.8.92), schon vier Tage vor der Abstimmung bieten Familia & KGM "Euro-Preise!" (Annonce in der Kronenzeitung, 8.6.94) und der "Billa-Tiefpreishammer schlägt Euro-Preise" bereits Wochen vor dem Beitritt (Postwurf vom Nov. 1994). Ab 1. Jänner 1995 ist dann kein Halten mehr. Während bei Löwa die "EU-Preise purzeln", gibt es bei Merkur "Europa-Preise", bei Spar den "Europa-Vorteil" und "Hunderte EU-Preise bei Adeg". Sehen wir uns diesen "Preisrutsch" (Billa) ein bißchen näher an.
Beispiele: Spar verkauft 1992 seinen Regio-Kaffee (500 g) zum EG-Preis "statt bisher 44.90 bei uns jetzt nur 39.90". 1996 im Sommerschlußverkaufs-Prospekt kostet dieselbe Ware wieder "statt 44.90 39.90 - Sie sparen 5.-" Da kommt schon was zusammen. Bei Billa kostet das Toastbrot Delikatessa (500 g) im November 1994 6.70 und dann durch den EU-Beitritt zum Jahreswechsel statt "bisher 9.90 6.70" Schilling. Bumsti! Da braucht’s einen gar nicht zu wundern, wenn heute dasselbe Toastbrot statt "bisher 9.90" gar nur mehr 7.90 kostet! Beim Merkur ist das Ölz Toastbrot (250 g) im Oktober 1996 um 12.90 zu haben, während "ab sofort" mit 1.1.1995 der "Europa-Preis" von 9.90 verlangt wurde. Die 6er Packung Baguettes zum Aufbacken gibt’s bei Billa zum Fest des EU-Beitrittes um nur S 7.90. Ein gutes Jahr und ein paar Preishämmer-Aktionen später sind sie statt "bisher" um 9.90 schon zum Aktionspreis von "jetzt" 7.90 zu haben. Für den Iglo Polardorsch grätenfrei (400 g), den Adeg heute um 34.90 anbietet, hat Adeg unter dem Titel "Guten Morgen, Europa!" Anfang 1995 statt "bisher 34.90 24.90" genommen. Bei solchen Preisstürzen wird einem ja schwindlig! Die Spar-Läden "begrüßen das europäische Preisniveau" am 1. Jänner 1995 und bieten die Lätta halbfett Margarine (250 g) mit dem "EU-Preisvorteil" um nur 7.90 an. Die Ablauffrist des Preisvorteils ist allerdings recht kurz, denn 1996 kostet dieselbe Schmiere bei Spar schon wieder "statt 9.90 7.90". Wer Spart, der hat. Wer bei der Wahrheit Spart, der hat - gelogen. Für die Recheis Goldmarke Nudeln (500 g), die Anfang 1995 von Adeg "ab jetzt" zum "EU-Preis" von 14.90 abgegeben wurden, ist jetzt der Nicht-EU-Preis 19.90 zu bezahlen. Wie heißt’s so schön: "Guten Morgen! Gute Preise! - Adeg". Im "Billa-Preissenkungspaket" vom Mai 1996 rasselt die 6 l Haushaltspackung Maggi Rindfleischsuppe von "bisher 18.90" auf "jetzt 15.90" herunter. Dabei hat sie sich bloß vom EU-Eintritts-Preis von 14.90 erholt. Billa heute, denkt eben wirklich an morgen. Usw. usw. Lassen wir das.
Unbestritten, ist viel von dem industriell gefertigten Dreck, den wir zu uns nehmen, seit dem EU-Anschluß in den Kaufhäusern billiger geworden. Bei vielen Waren ist der Preis allerdings, nachdem er sehr spektakulär heruntergerutscht ist, wieder ganz unspektakulär hinaufgerutscht. Das sollte hier gezeigt werden. Und daß wir, nicht nur mit billigster Margarine, angeschmiert werden. Wie vor der Volksabstimmung. Wie immer. Nebenbei gesagt, wird das Zeugs von früher heute z.T. auch in neuen Verpackungseinheiten, unter anderen Titeln, in gestreckter Qualität angeboten, womit das Vergleichen oft unmöglich wird. Schlußendlich gar nicht gelungen ist uns der Preisvergleich mit einer ganzen Zeitungsseite voller Angebote zum Volksabstimmungstermin unter dem Titel: "Da fällt die Wahl leicht: Das sind Euro-Preise!" (u.a. Kl. Zeitung, 9.6.94). "Wer am 12. Juni JA für die EU stimmt," hieß es da, "stimmt auch für seine persönliche Kostenersparnis beim Einkaufen. Denn dann könnten die Preise ab Anfang Jänner 95 unsere EURO-Preise sein. Diesmal nur ein kleiner Vorgeschmack! Und das Warenangebot wird noch vielfältiger." Den "Euro-Preis", der hier noch vom Konsum für Sekt, Bier, Pizza usw. in Aussicht gestellt wurde, hat der Konzern inzwischen selbst bezahlt. Oder vielmehr dessen Angestellte.

Quelle: Föhn 

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