02.09.14

Feig schweigend ins Verderben?

 Sehr geehrte Herren!


Ich schreibe als alter Mann, da ich nicht mitschuldig werden möchte an dem unerträglichen Leid in das wir gerade hineintaumeln, weil wir aus kurzfristigen Interessen und 'politischem Wohlverhalten' in der gegenwärtigen Kriegstreiberei gegen Russland mitheulen.
Wegen der apokalyptischen Dimension der Gefahr habe ich auch die Apokalypse aufgeschlagen. Im Abschnitt 21/8 werden bei der Aburteilung vor allen anderen Untätern zuerst die Feigen genannt. Zu diesen müssen wir gegenwärtig leider gezählt werden.

Ich schreibe auch, weil ein kleines Land viel bewirken kann, wenn es mutig und neutral sowie die Wahrheit einfordernd auftritt.


Ich komme gerade  von einem Treffen zum geopolitischen Dialog aus der Schweiz.

Die enthüllenden Berichte waren bestürzend und die Kriegsabsicht des Noch-Hegemons leider evident.

Es ist inzwischen gesichert, wer den Putsch in der Ukraine organisiert und finanziert hat, und dass man bewusst die rote Linie gegenüber den Russen überschritten hat, um einen Krieg auszulösen. Hinzu kommt die offenkundige Ungleichbehandlung von Ethnien und deren Unabhängigkeitsbestrebungen. Den Kosovo hat man sofort anerkannt, weil es Teil der 'westlichen' Geostrategie war. Mit den Russen im Donbas will man nicht einmal reden, geschweige denn ihnen eine ehrliche Autonomie einräumen, denn mehr wollten sie ja anfangs nicht. Vielmehr haben die zu ihrer Bekriegung engagierten Nationalisten-Garden offen gesagt, dass der Donbas von der russischen Bevölkerung gesäubert werden müsse - also beabsichtigter Genozid (Völkermord). Dass sich diese dann wehrt, sich an die Russen als Schutzmacht wendet und nun an die Abspaltung denkt, ist verständlich.

Ich verstehe auch, dass ein Großteil der Bevölkerung des Westen des Kunstgebildes Ukraine die Russen hasst, weil die Verfolgungen unter Stalin dort viel intensiver verspürt wurden als im leidgewohnten Osten. Zur Auswiegung der zentrifugalen und zentripetalen Kräfte hat man deshalb unter Chrustschow sogar die Krim zur Ukraine geschlagen. Dass man aber gegenwärtig Leute zum Putsch engagiert hat, die in der Zeit des Zweiten Weltkrieges etwa 100.000 Juden und tausende katholische Polen abgeschlachtet haben, ist nicht nur verbrecherisch, sondern auch längerfristig dumm, weil man - wie in anderen Ländern - die geförderten Gewalttäter nicht mehr los wird und sie schließlich sogar bekämpfen muss. Das Ende ist Zerstörung und Chaos ... und der Schrei nach ausländischer humanitärer Hilfe ...

Ich schreibe auch, weil der neue Ratspräsident der EU zu den Anti-Russland-Falken gehört, da sein Land von den Russen vieles erdulden musste. Er geht daher den Einkreisern und Kriegstreibern voll auf den Leim. Müssten nicht mit derselben Begründung alle osteuropäischen Staaten nach den Gräueln des Zweiten Weltkrieges (denken wir z. B. an die Zerstörung Warschaus) auch den Deutschen auf ewig misstrauen?

Was sich derzeit hochschaukelt trägt den Keim eines Dritten Weltkrieges in sich. Die Errichtung zusätzlicher Militärbasen rund um Russland und vor allen die für 2015 vorgesehene Erneuerung der Atomwaffen der USA in Europa (Deutschland muss dies aufgrund des Aufenthaltsvertrages dulden.) tragen hierzu bei. Da alle Atomstrategen vom Vorteil des Erstschlages ausgehen, besteht die Gefahr, dass die russischen Militärs den USA zuvorkommen wollen. Daher ist die Kriegsgefahr dramatisch hoch.

Wenn wir hier feige zusehen, werden wir mitschuldig.

Wieso rufen wir nicht zusammen mit der neutralen Schweiz zu einem echten, wahrhaftigen und fairen Dialog auf, in dem auch die Russen im Donbas gehört werden und eine Stimme haben, statt verteufelt und mit der Ausrottung bedroht zu werden.
Für die Korrektur eines Kurses, der in den Untergang führt, ist es nie zu spät.
Nehmen wir doch als immerwährend neutraler Staat nicht an den aufheizenden (und uns selbst und Europa schädigenden) Sanktionen gegen Russland teil und offerieren wir neutrale gute Dienste!
Ein fairer Kompromiss, bei dem alle Teile ihr Gesicht wahren können, sollte neben wechselseitiger Amnestie und ehrlichem Verzeihen vor allem folgende institutionellen Regelungen enthalten:
- Immerwährende, international garantierte Neutralität der Ukraine

- Eine föderale Verfassung, die den Russen östlich des Dnepr echte Autonomie gibt und die Angst vor Fremdbeherrschung nimmt.
- Keine NATO-Mitgliedschaft und auch keine Ersatzvereinbarungen, wie die 'Partnerschaft für den Frieden'; aber auch keine
   analogen Vereinbarungen mit Russland.

- Keine EU-Mitgliedschaft oder -Assoziierung; aber auch keine Mitgliedschaft bei der Eurasischen Union.
  Die Handelsregelungen in der WTO (die Ukraine ist seit 1994 Mitglied) genügen.


Ich möchte nicht zu lange sein, obwohl es noch viel zu sagen gäbe, und hoffe im Interesse des Friedens, dass wir nicht zu feige sind, gegen die Linie des Noch-Hegemons und seiner Adepten eine ausgewogene, friedliche Lösung vorzuschlagen und diese standhaft zu vertreten - auch in den Organen der EU und der Vereinten Nationen.


Beste Grüße

Heinrich Wohlmeyer 


KR ÖR Prof. DI. Dr. Heinrich Wohlmeyer
Dirndlhof, Marktlerstr. 13
3180 Lilienfeld
Tel./Fax 0043 / 2762 / 53 173
E-mail: h.wohlmeyer@aon.at



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