10.06.11

Bleibt der Euro stabil?

Bleibt der Euro stabil?
Vortrag von Professor Dr. Joachim Starbatty mit dem Titel „Platzt der Euro?“


Das Gesetz der Nachhaltigkeit gelte sowohl für die Politik als auch für die Wirtschaft, sagte Wolfgang Habisreutinger, Vorsitzender des Kreisverbands Ravensburg der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Baden-Württemberg (MIT), bei einer Veranstaltung im Ravensburger Schwörsaal. Mehr als 250 Gäste, darunter der MIT-Landesvorsitzende Oswald Metzger, der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr.Andreas Schockenhoff und der CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Köberle, waren gekommen, um einen Vortrag von Professor Dr. Joachim Starbatty mit dem Titel „Platzt der Euro?“ zu hören. Der MIT verstehe sich als wirtschaftliches Gewissen der CDU und sei Ansprechpartner für den Mittelstand, betonte Habisreutinger. Mit Interesse verfolge man die Entwicklung des Euro, der ein politisches Projekt und kein ökonomisches Produkt sei. „Mit Professor Starbatty haben wir einen kompetenten Wirtschaftswissenschaftler und profunden Euro-Kenner eingeladen“, sagte Habisreutinger. Möglich geworden sei dies dank finanzieller Unterstützung durch die Volksbank Weingarten und die Kreissparkasse Ravensburg.
Der Volkswirtschaftler und Politikwissenschaftler Joachim Starbatty (71) lehrte 23 Jahre lang als Wirtschaftsprofessor an der Universität Tübingen. Der überzeugte Marktwirtschaftler ist als „Euro-Fighter“ bekannt geworden. 1998 klagte er erfolglos gegen die Einführung des Euro, im Mai 2010 reichte er zusammen mit den Professoren Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling, Karl Albrecht Schachtschneider und Dieter Spethmann Klage gegen die Griechenlandhilfe und gegen den „Rettungsschirm“ ein. Die Gründung der Europäischen Währungsunion sei in erster Linie ein politisches Projekt gewesen, betonte Starbatty in Ravensburg. Mit der Einführung des Euro sei das Ziel verfolgt worden, ein starkes Europa im Rahmen der Globalisierung zu behaupten. Um das Abrutschen in eine Transferunion zu verhindern, habe die deutsche Bundesregierung die Aufnahme der „no bail-out-Klausel“ in den Maastrichter Vertrag bewirkt.
„Sie besagt, dass weder die Gemeinschaft noch ein Mitgliedsstaat für die finanziellen Verbindlichkeiten eines anderen Mitgliedsstaat aufkommt“, so Starbatty. Mit der Griechenlandhilfe und dem Aufspannen des „Rettungsschirms“ sei diese Klausel aber beiseite geschoben worden. Starbatty entwarf düstere Prognosen für die künftige Entwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung. Eine Währungsunion von Ungleichen münde am Ende in eine Transferunion oder: „Der Euro platzt.“ Alle Politiker hätten diesbezüglich bislang die Köpfe in den Sand gesteckt.
Die Politik habe gute Arbeit geleistet, konterte der CDU-Abgeordnete Dr. Andreas Schockenhoff in der anschließenden Diskussion. Schließlich gebe es weltweit derzeit keine andere Währung, die so viel Vertrauen genieße wie der Euro. Starbatty habe nur schwarz gemalt, der Politik aber keine Handlungsanweisungen gegeben, bedauerte der CDU-Politiker. Europa brauche Deutschland, Deutschland brauche Baden-Württemberg und Baden-Württemberg brauche Oberschwaben, sagte die stellvertretende MIT-Kreisverbandsvorsitzende Anne Schmieder. „Wir als Mittelständler versuchen mit zu gestalten. Arbeiten Sie mit uns“, warb sie für eine MIT-Mitgliedschaft, denn: „Wir schauen trotz allen Unkenrufen optimistisch in die Zukunft.“

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