30.05.14

Warum geht die EU bloß gegen die Kohlensäure in der Limonade vor?

  •  Sind die Löcher im Käse nicht genauso schädlich fürs Klima?


Was hab ich nur getan! Und ganz Europa muss nun dafür büßen. Dafür, dass ich meinen "genialen" Einfall nicht für mich behalten hab können. Aber falls das ein Trost für irgendwen ist: Mich kostet der Spaß wahrscheinlich am meisten von allen. (Ich trink zwei Liter Cola am Tag.)
Ziemlich genau ein Jahr ist’s her, am 21. Juni 2013 war’s, im "Kunstsinnig" Nummer 464, da hab ich die EU ersucht, doch bitte endlich etwas gegen das prickelnde Mineralwasser zu unternehmen. Und gegen das Bier und das Cola auch gleich. Weil diese Getränke sondern ein gefährliches Treibhausgas ab. Mit jedem Pfft beim Öffnen einer Flasche Bier oder Dose Cola könnte jenes CO2-Molekül entweichen, das das Klima endgültig ruiniert. Die einzige Rettung für den Planeten wäre ein totales Kohlensäureverbot. (Kohlensäure = in Wasser gelöstes Kohlendioxid.) Hallo? Das hab ich damals ironisch gemeint! Wie hätte ich denn ahnen können, dass das in Brüssel wer liest und sich denkt: "He, super Idee. Mach ma." (Für 100.000 Euro Beraterhonorar wäre ich übrigens für Vorschläge offen, mit welchem Thema ich nächste Woche Einfluss auf die EU-Gesetzgebung nehmen werde.)
Zum Glück wird das Kind nicht so heiß gegessen wie gebadet. Sonst würde sich ab Herbst ja jeder strafbar machen, der Tonic Water in seinen Gin kippt oder Cola in seinen Rum. Weil wir eine Prohibition hätten. Wer mit einem Kracherl erwischt wird, wird angezeigt. Und das wär’s dann gewesen mit dem Fritz ante Cola. Moment, müsste das nicht heißen: Fritz ante Col-am? Ante (= vor) verlangt ja einen Akkusativ. Und welcher Fritz überhaupt? Der Barkeeper? Gab’s bei den alten Römern vielleicht Barkeeper-Fritz-Witze wie bei uns die über den Butler James? (Sagt der Lord: "James, übergeben Sie sich, mir ist schlecht.") Ach so: Frizzante-Cola! ("James, lachen Sie. Den Witz find ich echt lustig.")
Im September tritt sie also in Kraft: die CO2-Steuer auf kohlensäurehaltige Getränke. Soll das den EU-Skeptikern den Wind aus dem Rücken nehmen, wenn die sehen, welches biblische Wunder die EU vollbringt? Dass sie Mineralwasser in Champagner verwandeln kann? Komisch, noch keiner zählt die Löcher im Emmentaler. Wieso, in denen ist doch bloß Luft drin. - Ja. Jetzt. Nachdem die unreinen Geister den Käselaib verlassen haben. Woher kommen wohl die Lecke im Kasblattl? Von heftigen CO2-Blähungen. Aber wie ich die EU kenne, furzt der Emmentaler eh schon aus dem letzten Loch.
In keine Semmel kann man mehr beißen, ohne schlechtes Gewissen. Denn welches Gas puht der Germ in den Teig rein, damit der schön flaumig wird? Richtig! (Die CO2-Paranoia der Erderwärmungsgegner zieht mir das Brot unter der Butter weg.)
Hm. Die Leute haben Angst vor der Energiesparlampe, weil da Quecksilber drinnen ist. Sie sollten sich lieber vorm Luftballon fürchten. Der enthält 100-mal mehr CO2 als die normale Atmosphäre (sofern man ihn selber, mit dem eigenen Atem, aufgeblasen hat). Nicht auszudenken, wenn so ein Ding platzt. Dann muss man sofort das Fenster aufreißen und - rausspringen? ("Nach circa 15 Minuten können Sie den Raum wieder betreten, um die Reinigung vorzunehmen. Ziehen Sie Gummihandschuhe an! Stopfen Sie die Kautschukfetzen vorsichtig in ein luftdicht verschließbares Glas mit Schraubdeckel. Geben Sie dieses bei einer Problemstoffsammelstelle ab.") Fritz, einen Doppelten!

(aus Wiener Zeitung, 30.5.2014) 

Keine Kommentare: